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::Theater: Naturbühne Reichenau::
::Eindrücke von Fans::
2005-07-17 gesehen von Fanclubmitglied Peter Männig und seiner Familie aus Leipzig
Lieber Steffen und Paul,
Eurer dringenden Empfehlung, unbedingt nach Reichenau zu fahren, haben wir gestern Folge geleistet - und sind begeistert!
Als wir vergangene Woche die Karten bestellten und die Dame am Telefon meinte, wir sollten besser schon 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn da sein, da es sicher voll wird, hielten wir das für übertrieben. Nun gut, wir fuhren dennoch drei Stunden vor Beginn des Stückes in Leipzig los, damit wir uns in Ruhe verfahren konnten. Und so kam es auch - wir fuhren erst einmal an Reichenau vorbei, bemerkten den Fehler jedoch bald und wendeten. Nun aber volle Konzentration: Radio aus, Kinder Klappe halten, Augen auf! Da endlich, das Ortseingangsschild und gleich dahinter die Olsenbandenwerbetafel der Naturbühne. Und wenige Meter weiter hatte das erste Haus am Platz bereits dänisch geflaggt. Am Parkplatz auf der Dorfwiese angekommen, wurde uns mulmig. Der Autostrom wollte gar nicht abreißen und die Menschenschlange, die sich vom Parkplatz in Richtung Naturbühne bewegte, nahm auch kein Ende - dabei war noch über eine Stunde Zeit bis zur Vorstellung. Also rafften wir unsere Sachen aus dem Auto und tigerten los.
Wir kauften das Ticket, kamen gottlob an den dänischen Politessen vorbei, ohne gefilzt zu werden, brauchten auch keine dänischen Winkelemente zu kaufen, die vor der Theaterbaude angeboten wurden, denn der echte Fan bringt die schon von zu Hause mit, und inspizierten erst einmal das Angebot der Theaterbaude: echtes Tuborg-Bier!
Die meisten Besucher schienen aus der Gegend zu sein, denn viele kannten und grüßten sich und unzählige Fahrräder standen am Eingang. Vielleicht können wir für uns in Anspruch nehmen, die Besucher mit der weitesten Anreise gewesen zu sein? Bei Kaffee, Kuchen, Eis und kalten Getränken verging die Zeit bis zum Beginn der Vorstellung.
Dann war es so weit: Der Chef der dänischen Nationalgarde gab Instruktionen für den bevorstehenden Einmarsch der dänischen Butterkönigin, übte das Winkelementewinken und Aufstehen mit uns Zuschauern, und dann ging's los. Schneidig schritt die dänische Nationalgarde unter heftigem Flaggenrauschen (der Besucher mit den Winkelementen) ins Theaterrund, dann kam die dänische Butterkönigin mit dem kleinen Prinzgemahl, die Nationalhymne erklang und wurde live gesungen. Doch kaum hatte die Butterkönigin in der Ehrenloge Platz genommen, bemerkte sie den Verlust ihres Schmuckes und schrie auf. Der Schurke war schnell gefasst und eingesperrt - Egon Olsen, wer sonst - und damit war die Ausgangssituation geschaffen.
Nun folgte das eigentliche Stück, ein Mix aus geliebten Szenen, oft wortwörtlich übernommen, und Eigenkreationen der Naturbühne. Szenenapplaus schon zum Auftakt, als Benny und Kjeld mit dem "Chevy" vorfuhren, um Egon vom Knast abzuholen, ihm die obligatorische Zigarre überreichten und Benny in gelben Socken einen Freudenhopser nach dem anderen vollführte. Donnernder Applaus auch für Yvonne bei ihrem ersten Auftreten: Sie ist noch gar nicht zu sehen, nur zu hören, da schwenken die Köpfe der Zuschauer herum zur "guten Stube", und als Yvonne dann im großgeblümten rosa Kleid ins Zimmer tritt, gibt es fürs Publikum kein Halten mehr. Überhaupt war die Verteilung der Schauplätze über das ganze Gelände eine gute Idee - nach jeder Szene sah man die Zuschauer suchend die Köpfe drehen, an welcher Requisite es wohl weitergeht.
An Pyrotechnik wurde nicht gespart. Als Bang Johannsen seine Pistole mit ohrenbetäubendem Knall auf die davoneilende Olsenbande abfeuerte, hopste mancher Zuschauer erschrocken vom Platz. Und das Dumme Schwein war dieses Mal nicht der Köpfe einschlagende Brutalinski, sondern ein Freund der Starkstromtechnik: Als Egon mit stolzgeschwellter Brust zu Bang Johannsen eilt, um ihm den Areal-Plan zu überreichen und im Gegenzug 10 Millionen Dollar zu kassieren, erwarten den Ärmsten 10 Millionen Volt!
Unser Favorit als Schauspieler war Benny - er spielte beinahe besser als das Original. Unübertroffen auch Yvonne, laut, elegant und ständig tausend kleine Dinge planend - so wie wir sie mögen. Großartig besetzt war auch Dynamit-Harry - schrecklich wie er sich vor dem Tuborg-Kasten hockend quälte, ob er nun eine Bottel knacken soll oder nicht. Und schließlich Kommissar Jensen, der die Welt stets viel eher als alle anderen durchschaut hatte und würdevoll resignierte - wir sind froh, ihn noch einmal gesehen zu haben, denn am nächsten Morgen erreichte uns die Nachricht vom Tode Axel Strøbyes.
Einziger Wermutstropfen unseres Naturbühnen-Besuches: Die Sonne brannte unbarmherzig, daher war das Tuborg-Bier schon vor Beginn der Vorstellung ausverkauft.
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