von Dummes Schwein » 18.06.2012, 19:10
"DIE OLSEN-BANDE: GOLDGRÄBER AM NORDSEESTRAND"
(ZDF, 30.10.1989) - DIE FILMKRITIK
Vorbemerkungen:
Es ist und bleibt eine große Freude, Olsenbandenfilme zu gucken, egal in welcher Synchronfassung. Gewiss bin ich voreingenommen beim Betrachten der ZDF-Versionen, schließlich kenne ich die DEFA-Fassungen schon sehr lange und auch sehr gut. Dennoch habe ich mich bemüht, die ZDF-Versionen so offen und unvoreingenommen wie möglich zu betrachten. Ehrlich! Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass die DEFA- und die ZDF-Synchronisationen in unterschiedlichen politischen Systemen produziert worden sind, was gewisse Anpassungen erfordert. Ob die ZDF-Fassung oder die DEFA-Fassung sprachlich näher am dänischen Original ist, kann nur entscheiden, wer die dänischen Versionen kennt. Da ich sie noch nicht kenne, erfolgt hierzu keine Aussage.
EGON (Harry Wüstenhagen):
Die Synchronstimme ist zu rau, zu tief, viel zu gangsterhaft und passt gar nicht zum Typ "Egon Olsen". Mit so einer Stimme kann man einen knallharten Mafiaboss synchronisieren, aber nicht Egon. Das bleibt störend von der ersten bis zur letzten Filmminute. Daran kann man sich nicht gewöhnen.
KJELD (Hans-Jürgen Wolf) & BENNY (Wilfried Herbst):
In Situationen, in denen normal oder raubeinig gesprochen wird, sind die Stimmen in Ordnung. Sprechen beide aber aufgebracht, erregt oder ängstlich, klingen sie einfach nur bescheuert, nicht nur naiv, sondern regelrecht verblödet. Bennys Gekicher ist saublöd. Dem Synchronsprecher fehlt grundsätzlich das Flachsige an Bennys Wesen, es klingt so erzwungen spaßig.
Besonders daneben ist folgende Szene: Rico will im Bunker mit der Harpune auf Egon schießen. Die "Laute", die Benny & Kjeld in der ZDF-Synchro dabei ausstoßen, sind schlichtweg eine Katastrophe.
YVONNE (Regina Lemnitz):
Ist ganz klasse getroffen! Ist der DEFA-Synchronisation absolut ebenbürtig. Ihr Sprechtext ist fast wortidentisch mit der DEFA-Synchronisation.
MADS MADSEN:
Auch ganz prächtig getroffen, ist der DEFA-Stimme sehr ähnlich, passt gut zu diesem Typ.
Karin nennt Mads Madsen "Mads Fünföre". Keine Ahnung, warum. Hier müsste man das dänische Original befragen, was dort gesagt wird.
BETTEREV:
Er heißt im ganzen Film nur "Blödwurm". Da kann ich nur mit Yvonne (DEFA-Fassung) sprechen: "Der Herr bewahre mich, so ein Blödsinn."
Hier muss dringend das dänische Original befragt werden, wie Betterev dort heißt. Aber "Blödwurm" geht gar nicht. Das ist so überheblich, geradezu menschenverachtend.
LEUTNANT:
Ist sehr schön getroffen, außer in der Szene, wo er vor Karin die komplette Mannschaft antreten lässt und aus vollem Halse kommandiert.
KARIN:
Ist fein gesprochen. Gefällt mir gut. Allerdings spricht Karin konsequent von "Spiegeleiern", wo die DEFA-Fassung "Bouletten" hat (zu Mads Madsen: "Wer brät dir denn die Spiegeleier?"). Kannte man im Westen keine Bouletten?
Generell:
Im Allgemeinen duzt man sich in diesem Film, was ja den dänischen Gepflogenheiten entspricht. Allerdings beschwert sich Benny, nachdem sie den Tankwart um die Zeche geprellt haben und weiterfahren: "Der hat mich geduzt, der Blödmann!" Das passt dann wieder nicht ins Duz-Konzept. Inkonsequent!
Nachdem der Militärstützpunkt explodiert ist, rast der Leutnant im Jeep zum Hotel, fährt die Hoteltreppe hoch und bestellt aus dem Auto heraus einen Whiskey. Der Kellner antwortet: "Und was trinkt das Auto?" – ist doch ein Krabbelwitz, oder? An die Kenner: Was sagt er im dänischen Original?
Die Verfolgungsjagd zwischen Rico im gelben Porsche und der Bande in der Bunkerbahn ist sehr kurz, extrem geschnitten.
FAZIT:
Die DEFA-Fassung ist mit deutlich mehr Liebe zu jeder einzelnen Figur gemacht, detailverliebter, humorvoller. Sie hat insgesamt mehr Atmosphäre, bringt die Stimmung besser rüber, diese diebische Freude über gelungene Tricksereien, diese enorme Erschöpfung nach dem vergeblichen Marsch am Strand, die unbändige Ausgelassenheit, als sie endlich die Bunker finden, die Gerissenheit eines Mad Madsen (von wegen oller jütländischer Tölpel).
Möglicherweise ist die ZDF-Version unter großem Zeit- und Gelddruck entstanden, eine Situation, die uns in der DDR so nicht bekannt war. Da scheint die Planwirtschaft auch ihre guten Seiten gehabt zu haben.
[b]"DIE OLSEN-BANDE: GOLDGRÄBER AM NORDSEESTRAND"
(ZDF, 30.10.1989) - DIE FILMKRITIK
Vorbemerkungen:[/b]
Es ist und bleibt eine große Freude, Olsenbandenfilme zu gucken, egal in welcher Synchronfassung. Gewiss bin ich voreingenommen beim Betrachten der ZDF-Versionen, schließlich kenne ich die DEFA-Fassungen schon sehr lange und auch sehr gut. Dennoch habe ich mich bemüht, die ZDF-Versionen so offen und unvoreingenommen wie möglich zu betrachten. Ehrlich! Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass die DEFA- und die ZDF-Synchronisationen in unterschiedlichen politischen Systemen produziert worden sind, was gewisse Anpassungen erfordert. Ob die ZDF-Fassung oder die DEFA-Fassung sprachlich näher am dänischen Original ist, kann nur entscheiden, wer die dänischen Versionen kennt. Da ich sie noch nicht kenne, erfolgt hierzu keine Aussage.
[b]EGON (Harry Wüstenhagen):[/b]
Die Synchronstimme ist zu rau, zu tief, viel zu gangsterhaft und passt gar nicht zum Typ "Egon Olsen". Mit so einer Stimme kann man einen knallharten Mafiaboss synchronisieren, aber nicht Egon. Das bleibt störend von der ersten bis zur letzten Filmminute. Daran kann man sich nicht gewöhnen.
[b]KJELD (Hans-Jürgen Wolf) & BENNY (Wilfried Herbst):[/b]
In Situationen, in denen normal oder raubeinig gesprochen wird, sind die Stimmen in Ordnung. Sprechen beide aber aufgebracht, erregt oder ängstlich, klingen sie einfach nur bescheuert, nicht nur naiv, sondern regelrecht verblödet. Bennys Gekicher ist saublöd. Dem Synchronsprecher fehlt grundsätzlich das Flachsige an Bennys Wesen, es klingt so erzwungen spaßig.
Besonders daneben ist folgende Szene: Rico will im Bunker mit der Harpune auf Egon schießen. Die "Laute", die Benny & Kjeld in der ZDF-Synchro dabei ausstoßen, sind schlichtweg eine Katastrophe.
[b]YVONNE (Regina Lemnitz):[/b]
Ist ganz klasse getroffen! Ist der DEFA-Synchronisation absolut ebenbürtig. Ihr Sprechtext ist fast wortidentisch mit der DEFA-Synchronisation.
[b]MADS MADSEN:[/b]
Auch ganz prächtig getroffen, ist der DEFA-Stimme sehr ähnlich, passt gut zu diesem Typ.
Karin nennt Mads Madsen "Mads Fünföre". Keine Ahnung, warum. Hier müsste man das dänische Original befragen, was dort gesagt wird.
[b]BETTEREV:[/b]
Er heißt im ganzen Film nur "Blödwurm". Da kann ich nur mit Yvonne (DEFA-Fassung) sprechen: "Der Herr bewahre mich, so ein Blödsinn."
Hier muss dringend das dänische Original befragt werden, wie Betterev dort heißt. Aber "Blödwurm" geht gar nicht. Das ist so überheblich, geradezu menschenverachtend.
[b]LEUTNANT:[/b]
Ist sehr schön getroffen, außer in der Szene, wo er vor Karin die komplette Mannschaft antreten lässt und aus vollem Halse kommandiert.
[b]KARIN:[/b]
Ist fein gesprochen. Gefällt mir gut. Allerdings spricht Karin konsequent von "Spiegeleiern", wo die DEFA-Fassung "Bouletten" hat (zu Mads Madsen: "Wer brät dir denn die Spiegeleier?"). Kannte man im Westen keine Bouletten?
[b]Generell:[/b]
Im Allgemeinen duzt man sich in diesem Film, was ja den dänischen Gepflogenheiten entspricht. Allerdings beschwert sich Benny, nachdem sie den Tankwart um die Zeche geprellt haben und weiterfahren: "Der hat mich geduzt, der Blödmann!" Das passt dann wieder nicht ins Duz-Konzept. Inkonsequent!
Nachdem der Militärstützpunkt explodiert ist, rast der Leutnant im Jeep zum Hotel, fährt die Hoteltreppe hoch und bestellt aus dem Auto heraus einen Whiskey. Der Kellner antwortet: "Und was trinkt das Auto?" – ist doch ein Krabbelwitz, oder? An die Kenner: Was sagt er im dänischen Original?
Die Verfolgungsjagd zwischen Rico im gelben Porsche und der Bande in der Bunkerbahn ist sehr kurz, extrem geschnitten.
[b]FAZIT:[/b]
Die DEFA-Fassung ist mit deutlich mehr Liebe zu jeder einzelnen Figur gemacht, detailverliebter, humorvoller. Sie hat insgesamt mehr Atmosphäre, bringt die Stimmung besser rüber, diese diebische Freude über gelungene Tricksereien, diese enorme Erschöpfung nach dem vergeblichen Marsch am Strand, die unbändige Ausgelassenheit, als sie endlich die Bunker finden, die Gerissenheit eines Mad Madsen (von wegen oller jütländischer Tölpel).
Möglicherweise ist die ZDF-Version unter großem Zeit- und Gelddruck entstanden, eine Situation, die uns in der DDR so nicht bekannt war. Da scheint die Planwirtschaft auch ihre guten Seiten gehabt zu haben.