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::Jørgen Lerdam::
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Jørgen Lerdam

(Foto: Poul Kofod)
Interview per E-Mail vom 1. August 2014,
aus Anlass der Veröffentlichung der deutschen Ausgabe von "Die Olsenbande auf hoher See" auf DVD und Blu-Ray.

Angaben zur Person: Animator und Regisseur bei A.Film.

Regisseur der Animationsfilme:
"Die Olsenbande in feiner Gesellschaft" (2010)
"Die Olsenbande auf hoher See" (2013)


Fanclub: Bezeichnen Sie sich selbst als Olsenbandenfan?

Jørgen Lerdam: Ja, ich denke schon, dass ich mich als einen großen Fan bezeichnen kann. Ich bin schon so alt, dass ich mich noch an die Kinopremieren in Dänemark erinnern kann. Die meisten der Filme habe ich im Kino Palads in Kopenhagen gesehen. Damals habe ich mich köstlich amüsiert und die Liebe zur Olsenbande hält immer noch an.

Fanclub: Haben Sie einen Lieblingsfilm unter den klassischen Olsenbandenfilmen?

J.L.: Alle Filme haben lustige und unterhaltsame Sequenzen, aber der Film, soweit ich mich erinnern kann, bei dem ich im Kino am meisten gelacht habe, war die Nummer 6 "Der (voraussichtlich) letzte Streich der Olsenbande". Das ist der, in dem Egon wieder zum Kind wird. Aber auch Nummer 5 "Die Olsenbande läuft Amok" gehört zu meinen Favoriten, denn meiner Meinung nach tritt hier Dynamit-Harry (Preben Kaas) in seiner besten Rolle auf.

Fanclub: Haben Sie einmal einen der drei Hauptdarsteller Ove Sprogøe (Egon), Morten Grunwald (Benny) oder Poul Bundgaard (Kjeld) getroffen?

J.L.: Ich traf einmal Ove Sprogøe in den 1990er Jahren in Verbindung mit einem Werbefilm. Er gab seine Stimme für ein Schokomilchprodukt. Wir animierten zu Ove Sprogøes Gesang. Die anderen zwei habe ich leider nicht getroffen.

Fanclub: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Olsenbande als Animationsfilm zu neuem Leben zu erwecken?

J.L.: Ich hatte das Gefühl, dass es noch mehr Geschichten mit dieser liebenswerten Bande und diesen wunderbaren Figuren zu erzählen gibt. Nachdem leider fast alle Schauspieler gestorben waren, war es die einzige Möglichkeit sie in einer animierten Version wiederzubeleben. Ich finde das war naheliegend, da die alten Realfilme in ihrem Aufbau und Erzählstil sehr animationsähnlich waren. Die Filme waren ja Possen mit einem karikierten Personenbestand. Genauso wie viele der Animationsfilme, die ich vorher gemacht habe. Von der einen zur anderen Darstellungsform zu springen war also kein so großer Schritt.

Fanclub: Haben Sie damit gerechnet, dass der erste Animationsfilm “Die Olsenbande in feiner Gesellschaft” 2010 einen so großen Erfolg haben würde?

J.L.: Man ist sich nie ganz sicher, aber ich habe damals einfach gehofft, dass das Publikum genauso viel Lust auf neue Geschichten der Olsenbande haben würde, wie wir als wir diese geschaffen haben. Es war dann eine große Freude, dass es so gut vom Publikum angenommen wurde.

Fanclub: Sind Sie zufrieden mit dem neuen Film “Die Olsenbande auf hoher See”, der 2013 in die dänischen Kinos kam?

J.L.: Er ist eine andere Art Film, als es der erste Film war. Unsere Absicht war mehr Gewicht auf die physische Komödie zu legen; mehr aus den Action-Anteilen des Films herauszuholen. Wir sind auch von dem sehr dänischen Inhalt abgerückt und die neue Geschichte könnte praktisch überall spielen. Ich finde auch, dass es eine lustige Idee war einen alten Freund wieder einzuführen, nämlich Dynamit-Harry/Preben Kaas. Eine kleine amüsante Geschichte: ich habe Dynamit-Harrys “Sohn”, Jeppe Kaas dazu bekommen zusammen mit Bent Fabricius-Bjerre die Musik zum Film zu schreiben. Also in vielen Punkten finde ich, dass wir einen flotteren und ganzheitlicheren Film geschaffen haben.

"Die Olsenbande auf hoher See" (Fotos: Nordisk Film & A.Film)

Fanclub: Gab es Unterschiede zur Produktion des ersten Olsenbanden-Animationsfilms?

J.L.: Ja, wir haben mehr mit dem Storyboard gearbeitet als beim ersten Film. Viele der Situationen sind erst entstanden, als wir uns zu ihnen hingezeichnet hatten, mehr als im Manuskript notiert war. Ein Film ist ja ein visuelles Medium, also ist es oft lustiger mit Bildern zu beschreiben, als zu versuchen es in Worten auszudrücken.

Fanclub: Dynamit-Harry spielt ja nur in zwei der 14 klassischen Olsenbandenfilmen mit und trotzdem gehört er zu den Publikumslieblingen. War das ein Grund, dass er diesmal auch mit dabei ist?

J.L.: Wie schon erwähnt, der fünfte Olsenbandenfilm gehört zu meinen Favoriten. Und genau in “Die Olsenbande läuft Amok” spielt Dynamit-Harry eine große Rolle. Ihn konnte ich schon immer gut leiden. Er war auch die richtige Figur für diese Geschichte; ein chaotischer Typ, der ohne es zu wollen, immer Pech hat. Er möchte Egon so gerne glücklich machen, übertreibt es dabei leider so sehr, sodass die Sache gründlich schief geht.

"Die Olsenbande auf hoher See" (Fotos: Nordisk Film & A.Film)

Fanclub: Egon soll in den meisten Olsenbandenfilmen von einem Bösewicht für immer beseitigt werden. In “Die Olsenbande in feiner Gesellschaft” verkörpern die beiden Automechaniker Johnny und Allan diese Rolle. Bei “Die Olsenbande auf hoher See” ist dies die militärisch gedrillte Ilze. Warum hat man sich gegen die klassische Figur, das “Dumme Schwein” entschieden?

J.L.: Dafür gibt es 2 Gründe: In erster Linie wollte ich mehr Frauenrollen in den Film bringen. Also dachte ich, es wäre amüsant eine große physisch starke Frau in der Rolle des “Dummen Schweins” zu haben. Sie war eigentlich auch in “Die Olsenbande in feiner Gesellschaft” vorgesehen, wurde dann aber wieder herausgeschrieben, weil der Film viel zu lang wurde und es waren auch etwas zu viele Bösewichte für eine Geschichte. Ich mochte die Figur und als wir die Arbeiten an dem neuen Film begannen, erinnerte ich mich an Ilze und brachte sie wieder rein. Der andere Grund ist etwas persönlicher: Ich konnte mich nie so richtig mit der Rolle des “Dummen Schweins” anfreunden. Ich finde ihn weder richtig lustig noch besonders speziell. Er war einfach groß, dumm und brutal, aber es fehlte ihm Tiefe und Menschlichkeit.

Fanclub: Der Trailer des neuen Films zeigte die Olsenbande im Gangnam Style und sorgte für ziemlich viel Aufregung in Dänemark. War die Provokation beabsichtigt?

J.L.: Ja, irgendwie schon. Die Idee dahinter war, die Leute aus ihren Sitzen zu bekommen, wie wir im Dänischen sagen. Sie zum Reagieren zu bewegen. Die ganze Geschichte in dem Trailer handelt ja davon, dass Egon keine Lust auf diesen neumodischen Tanz hat, aber paradoxerweise kann er nicht anders als mitzumachen. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das richtig war, was wir da getan haben. Aber es brachte uns Aufmerksamkeit ein. Also spätestens jetzt wussten die Leute, dass da ein neuer Olsenbandenfilm kommt. In diesem Punkt hat es also seinen Zweck erfüllt.

Fanclub: “Die Olsenbande in feiner Gesellschaft” wurde als der erste 3D-Film Dänemarks gefeiert. Warum ist der neue Film dieses Mal nicht in 3D?

J.L.: Ursprünglich sollte “Die Olsenbande auf hoher See” ebenfalls in 3D sein, aber hier in Dänemark ist der stereoskopische Film bereits aus der Mode gekommen. Die Leute haben keine Lust mehr Geld auszugeben, nur um mit Brillen im Kino zu sitzen. Also haben wir uns dagegen entschieden.

Fanclub: Ist ein dritter Animationsfilm der Olsenbande in Planung?

J.L.: Ja, wir planen einen weiteren Film zu machen, aber haben bisher noch kein Manuskript geschrieben.

Fanclub: Was sind Ihre größten Wünsche für den neuen Film?

J.L.: Tatsächlich denken wir darüber nach, dass Egon, Benny und Kjeld einen Ausflug nach Deutschland machen sollen. Ich finde das könnte amüsant werden, zu sehen wie diese liebenswerten, trottligen Dänen sich im Ausland machen, z.B. in Berlin.

Fanclub: Das hört sich spannend an. Tausend Dank für das Interview!

(Übersetzung: Paul und Steffen)




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