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2012-10-16  Goldener Chevrolet Bel Air 1959

Olsenbandenfan Sven Tschiedel aus Leipzig hat sich einen Traum erfüllt. Er hat einen goldbronze lackierten Chevrolet Bel Air Baujahr 1959 gekauft, jener Autotyp den die Olsenbande in den meisten Filmen fuhr. Peter Männig hat ihn getroffen und berichtet:

Den Bericht gibt es auch in einer schick aufbereiteten PDF zum Download (ca. 3 MB).

Eine Internetbekanntschaft der besonderen Art

Wir schreiben das letzte Septemberwochenende im Jahr 2012, da brechen zwei Leipziger Olsenbandenfans auf in Richtung Völkerschlachtdenkmal zu einem Lokaltermin der besonderen Art. Die Location wurde gewählt, weil sie über ausreichend Parkfläche verfügt. Denn die wird nötig sein. Der Grund für dieses Treffen ist ein Stück Automobilgeschichte und ein Stück Filmgeschichte zugleich. Was die beiden Olsenbandenfans am Völkerschlachtdenkmal erwartet, ist ein amerikanischer Straßenkreuzer aus Detroit, ein legendärer Chevrolet Bel Air, Baujahr 1959, jenes Fahrzeug, das der Olsenbande am häufigsten als Filmfahrzeug diente, und zwar in 10 von 14 Filmen.


Ein Bel-Air-Besitzer mitten unter uns

Am Treffpunkt angekommen glänzt ein goldbronze lackierter Bel Air in der Sonne, und neben ihm steht ein Typ in Jeans, Karohemd, Westernstiefeln und Cowboyhut. Das muss Sven Tschiedel sein, der Besitzer dieses Prachtstücks, der erst vor einer Woche im Onlineforum des Olsenbandenfanclubs aufgetaucht war. Eigentlich hatte Sven im Forum nähere Informationen erbeten zu jenem Messingblech, mit dem Olsenbanden-Benny so manchen Spiel- und Geldautomaten knackte und so manche Tür öffnete. Dieses Messingteil würde gut zu seinem Bel Air passen, schrieb Sven im Forum. Bei dieser lapidaren Randbemerkung schrillten im Fanclub die Alarmglocken. Ein Bel-Air-Besitzer mitten unter uns!


Auf Egons Stammplatz

Schon beim Aufeinanderzugehen und Begrüßen haben alle drei ein Schmunzeln im Gesicht. So ist das bei eingefleischten Olsenbandenfans. Die verstehen sich auf Anhieb, die haben dieselbe Wellenlänge und ticken auf die gleiche Art. Man macht sich kurz miteinander bekannt, wechselt die ersten Worte, und schon steht man vor der Frage, ob man erst eine Runde im Chevi drehen will oder erst die Fotosession startet. Die drei entscheiden sich, erst eine Runde im Chevi zu fahren, und zwar ein Stückchen über Land. Der jüngere der beiden Olsenbandenfans, ganze sechs Jahre alt, nimmt Egons Stammplatz ein, vorn in der Mitte der ungeteilten, durchgehenden Sitzbank, wo Egon gewöhnlich kurz nach dem Start beim Abholen vom Gefängnis die neue Zigarre gereicht wird.


Mit dem Olsenbandenmobil unterwegs

Dann dreht Sven Tschiedel den Zündschlüssel am goldbronze lackierten Armaturenbrett, das komplett aus Metall besteht, wie eine Klopfprobe bestätigt. Der Sound, den acht Zylinder und zwei Auspuffrohre erzeugen, kann nicht mit Worten beschrieben werden, man muss ihn hören, und man muss es fühlen, wenn 1,6 Tonnen Automobil leicht zu vibrieren beginnen und sich butterweich in Bewegung setzen. Und wie er sich bewegt, der Bel Air! Ein leichtes Antippen des Gaspedals mit dem Cowboystiefel lässt die Motorhaube sanft nach oben federn und die Insassen elegant nach hinten in die Polster rutschen. Das charakteristische tiefe Röhren des Motors sorgt dafür, dass die Besucher des Völkerschlachtdenkmals ihr eigentliches Ausflugsziel aus den Augen verlieren und die Köpfe wenden zu jenem fast sechs Meter langen Oldtimer, der elegant an ihnen vorübergleitet. Ein Lächeln und Winken setzt ein, wie es Sven oft erlebt, wenn er mit dem Bel Air unterwegs ist. Achtzig Prozent der Passanten, die ihn auf sein Auto hin ansprechen, kennen das Auto und wissen, dass es das Olsenbandenmobil ist.


Es begann auf Kuba

Die Fahrt mit diesem Kultobjekt ist eine Reizüberflutung. Da gibt es so viele Details an der Ausstattung des Fahrzeugs zu bewundern, so viel verschwenderisch angebrachten Chrom, die kreisrunden Armaturen, den Tacho, der die Geschwindigkeit in Meilen pro Stunde anzeigt und für den deutschen TÜV mit Markierungen versehen werden musste für die Geschwindigkeitsgrenzen hierzulande. Da ist das Motorengeräusch, dem man pausenlos lauschen möchte, und da gibt es unzählige Fragen an Sven. Die drängendste Frage lautet: Warum hat er einen Bel Air? Sven ist gebürtiger Leipziger, ist im Osten Deutschlands sozialisiert und daher quasi mit der Olsenbande aufgewachsen. Vier Jahre seiner Kindheit verbrachte er auf Kuba, wo amerikanische Oldtimer mangels moderner Fahrzeuge als alltägliche Gebrauchsgegenstände dienen, und, sofern sie als Taxi im Einsatz sind, oft mehr als eine Million Meilen auf dem Zähler haben. Daher also die Liebe zu den alten Amischlitten. Und vielleicht ist er auch deswegen Mechaniker geworden.


In Begleitung nach Litauen

Die Entscheidung für den Bel Air hat er sich nicht leicht gemacht. Als er das Auto vor einem Jahr aufder russischen Internetseite eines internationalen Auktionshauses entdeckte, war das Feuer entfacht, gab es die Möglichkeit, das Faible für amerikanische Oldtimer mit der Begeisterung für die Olsenbande zu verbinden. Jetzt galt es, das Risiko abzuwägen, mit den Anbietern Kontakt aufzunehmen und möglichst viele Details über den Zustand des Fahrzeugs in Erfahrung zu bringen. Und das alles auf Englisch. Nach reiflicher Überlegung entschied sich Sven Tschiedel zum Kauf. Das bedeutete, mit dem ausgehandelten Kaufbetrag in der Tasche die Reise von Sachsen nach Litauen anzutreten. Als Reisebegleiter fungierten ein Türsteher und ein Bekannter, der sich mit amerikanischen Autos auskennt.

In Litauen angekommen erlebten die drei keine böse Überraschung. Vielmehr befand sich das Auto in exakt dem Zustand, der auf der Internetseite ausgewiesen stand: Sehr gut erhalten, unverbastelt, alles Originalteile, eventuell schon umfassend restauriert, aber wohl vor langer Zeit. Sven und seine Helfer verluden den Bel Air auf den mitgebrachten LKW und traten den Heimweg an. Ein aufregendes Abenteuer fand seinen erfolgreichen Abschluss und Svens Zeit als Bel-Air-Besitzer begann.


Zehn Kilo Sand

Seitdem ist ein dreiviertel Jahr vergangen und der Tachostand um 5.000 Meilen gestiegen. Ganz klar, der Chevi ist für Sven ein Gebrauchsgegenstand. Das ist die Einstellung, die er von Kuba mitgebracht hat. Aber die Kubaner hegen und pflegen ihre Autos auch. Und genau so hält es Sven. Als KFZ-Fachmann verfügt er über die nötigen handwerklichen Fertigkeiten, sodass er in seiner beheizbaren Garage von 300 Quadratmetern Größe sämtliche Pflegemaßnahmen und Reparaturen selbst ausführen kann. Als erstes stand die Hohlraumkonservierung auf dem Programm, damit der Chevi in unseren feuchten Gefilden noch lange intakt bleibt. Aber die Hohlräume waren nicht mehr ganz hohl. Im Laufe der Jahrzehnte hatten sich dort zehn Kilo Straßenstaub gesammelt, die es zu entfernen galt, bevor die Konservierung aufgetragen werden konnte. Als nächstes werden die Fenstergummis getauscht. Hierfür liegt original Chevrolet-Fenstergummi als Meterware bereit.


Die Frage aller Fragen

Dafür, dass der Bel Air 53 Jahre alt ist, sieht er glänzend aus. Erst beim zweiten, oft sogar erst beim dritten Hinsehen bemerkt man hier und dort Roststellen oder kleine Schäden am Lack. Allen diesen Details wird sich Sven in den nächsten Wochen und Monaten widmen. Dabei plagt ihn die Frage aller Fragen: Soll er aus seinem Chevi einen Hochglanz-Oldtimer machen oder bleibt es ein gut gepflegtes Gebrauchsstück? Die Frage ist noch nicht entschieden, aber es scheint, als würde in Sven der Pragmatiker siegen, der, der sein Auto nutzt, statt es museumsreif herzurichten und fortan nicht mehr zu bewegen. Denn er möchte seine Freude am Auto gern auch weiterhin mit den Passanten teilen, die ihm zuwinken und ihn anlächeln. Das ist der Beifall, den Oldtimer-Besitzer lieben und brauchen.


Die häufigste und sinnloseste Frage

Und so lächelt Sven und winkt zurück, als die drei von der Spritztour zurückkehren auf den Parkplatz am Völkerschlachtdenkmal und erneut die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. In schönster Nachmittagssonne wird der Bel Air vor grüner Kulisse geparkt und anschließend rundum fotografiert: von vorn, von hinten, von beiden Seiten, von schräg unten, von seitlich oben, von der Heckflosse bis zum Weißwandreifen, aus jeder nur erdenklichen Perspektive und aus jedem Blickwinkel. Bereitwillig gibt er auch Auskunft auf die Frage, die ihm oft als allererste gestellt wird und die er ganz und gar nicht mag: Wie viel verbraucht das Auto? Der Tank fasst 17 Gallonen, das entspricht etwa 65 Litern. Bei vernünftiger Fahrweise schafft er damit 450 Kilometer. Wem das zu viel ist, der möge sich lieber einen Golf VII mit 3 Litern Durchschnittsverbrauch zulegen.

Das wäre die Krönung

Bevor die beiden Olsenbandenfans Adieu sagen, fast benommen vor lauter Eindrücken, kommt das Gespräch auf Svens Pläne, genauer gesagt auf Svens Reisepläne. Dabei stellt sich heraus, dass er noch nie in Dänemark war, dem Herkunftsland der Olsenbande. Doch für das kommende Jahr ist eine Reise mit dem Bel Air nach Kopenhagen geplant. Dort Morten Grunwald, den "echten Benny" aus der Olsenbande, zu treffen, wäre die Krönung. "Vielleicht hätte er ja Lust, sich noch einmal an das Steuer eines Bel Air zu setzen", meint Sven, das brächte seinem Chevy unsterblichen Ruhm. Und das Fazit des kleinen Olsenbandenfans: "Wenn ich groß bin, kaufe ich mir einen Bel Air!"

Text und Fotos: Peter Männig

Besonderer Dank gilt Sven Tschiedel dafür, dass er uns seinen Chevrolet Bel Air gezeigt und uns auf eine Spritztour mitgenommen hat.


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