::Beilage Seite 2-3::
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Deutsche Übersetzung von Guido (FranzJägerBerlin):
BELIEBT und aussergewöhnlich
Schwerer Anfang:
Ove Sprogøe fiel zweimal an der Schauspielschule des Königlichen Theaters durch. Sie ahnten nicht, was ihnen entging.
„Profil, Mensch! Mit dem Profil werden Sie nie grosse Rollen spielen!“ Das sagte der allmächtige Holger Gabrielsen zu Ove Sprogøe, als der junge Sprogøe Aufnahme an der Schauspielschule des Königlichen Theaters suchte. Dabei sollte er es gewusst haben, der Gabrielsen. Gewusst, wofür man dieses Profil hätte brauchen können. Z. B. um einen Zigarrenstumpen zusammen zubeissen, das Kinn gleich einer Kneifzange, mit verzogenem Mund und ein bisschen spitzer Nase, die vor Selbstbewusstsein wippt. Nämlich, wenn Egon aus der Olsenbande einen neue Idee hat und Benny tänzelnd „Mächtig gewaltig, Egon!“ jubelt. Er sollte gewusst haben, dass der 20jährige Sprogøe einer der populärsten dänischen Schauspieler werden könnte. Einer von jenen, vor denen jedes Theater, jede Bühne und jeder Film-Regisseur auf allen Vieren kriecht, um sie für ein neues Stück, einen neuen Film zu bekommen. Ein beliebter und aussergewöhnlicher Schauspieler.
Durchgefallen
Aber selbstverständlich ist es schwer gewesen. Im Geist zu sehen, wie ein Kerl aus Odense, der sich aufstellt und den Prinzen in „Es war einmal“ spielt, anders sein kann, als rührend. Nicht gross, nicht besonders schön. Und dann auch noch Füne! Gabrielsens königlicher Kollege John Price sagte nach der Vorstellung: „Ich kann an Ihrer Darbietung nichts aussetzen, aber die Rolle werden Sie nie spielen ...“ Nein, und das tat er nicht, denn es war nicht seine. Ove Sprogøe versuchte es zweimal an der Schauspielschule. Durchgefallen. Durchgefallen. Es blieb die Schauspielschule eines Privattheaters, es wurde ein Vergnügen, und er war schlecht gestartet, bevor er die Rolle bekam, die sein Durchbruch wurde: der Nicolai in „Nøddebo Præstegård“ (Nussschale Pfarrhaus). Sie spielte er die nächsten 14 Jahre. Es war nämlich seine.
Schlagfertig, wie ein Flitzebogen
Aber „seine“. Das war viel mehr. Alle seine Filmrollen, 156 im Ganzen. Nachlässig, geschwätzig, oberflächlich – wurde gesagt. „Film-Mitläufer“, schnaubte Rifbjerg. Heute lieben alle die Filme. In den unzähligen Rollen entwickelten sich seine aussergewöhnlichen Eigenschaften. Schnelligkeit. Präzision. Die lebhafte, scharfe Erwiderung. Die Salve von seinem verbalen Flitzebogen sass und vibrierte, wie Pfeile im Balken. Unter grossem Lachen und Hallo. „Der kommer altid en sporvogn“ (Es kommt immer eine Strassenbahn), im Duett mit Dirch Passer. „Baronessen fra benzintanken“ (Die Baronin von der Tankstelle). Ein Gewimmel von Rollen, in denen er seine professionelle Schnelligkeit fand, und die er auch im Satire-Programm des Fernsehens „Hov- Hov“ (Moment mal) und „Uha-Uha“ (Du meine Güte) brauchte. Und, wie er sie auch brauchte, als sich die grossen, schweren, seriösen Möglichkeiten boten. Im Theater und im Film. Grosse Regisseure, wie Erling Schrøder und Erik Balling brachten ihn nach und nach auf ein Wahnsinnstempo. Am Theater als Strindbergs „Vater“. In der Olsenbande als „Egon“. Gefährliche, verzweifelte Männer und Seiten von Ove Sprogøe, die gar nicht dem leutseligen, niedlichen Jüngling aus Nicolai-Zeiten glichen.
Lieb und nett
„Falls mir vor 30 Jahren einer gesagt hätte, dass ich auch etwas gefährliches in mir hätte, würde ich gesagt haben, Nein.“ Angst und Kampf, das bin ich nicht. Ich glaubte, ich würde ein gewöhnlicher, lieber und netter Schauspieler aus Odense werden, sagte Sprogøe, als er vor bald fünfzehn Jahren 70 wurde. „Egon hätte auch Nationalsozialist werden können.“, bemerkte er einmal. Der Egon, wie wir ihn eigentlich mögen, war ein charmanter, irritierender Hitzkopf. Hoch geliebt. Weil er uns in so vielem ähnelt. Nationalsozialist? Das war das letzte, was Ove Sprogøe hätte sein können.
Politisch engagiert
Der wahnsinnig fleissige Schauspieler, stand auf, wo und wann immer es einem guten Zweck diente. Wohltätig oder politisch. Grossmütter für den Frieden. Die AIDS-Kampagne. Er konnte sogar für die Baader-Meinhof-Gruppe sprechen, um ihre Haftbedingungen zu verbessern. Und pfiff darauf, als ihn ein wütender Jemand auf der Strasse anhielt und ihm sagte, dass er verschwinden und in Sibirien schuften solle. Politisch war er treuer Sozialdemokrat. Sprogøe stand dazu. Aber er hatte auch den Mut, zu erkennen, dass der Beruf des Schauspielers die Hölle sein kann. „Wir sind immer ängstlich.“, sagte er einmal. „Wir sind es jeden Abend. Ein Schauspieler muss beides sagen, Ja und Nein. Es ist ein Abwägen, dass man beides wagt oder nicht wagt. Wir sind im freien Fall. Immer.“
Nun ist er gefallen. Endgültig.
von Gregers Dirckinck-Holmfeld
Textspalte ganz rechts
Ehrung im TV
Falls Sie gestern Abend um 23.15 Uhr Poul Martinsens fantastisches Porträt über Ove Sprogøe – produziert aus Anlass seines 75. Geburtstages 1994 – verpasst haben, dann wiederholt es TV2 am Sonnabend um 11.50 Uhr. Es ist der Auftakt zum DR Samstagsfilm „Sommer i Tyrol“ (Sommer in Tirol), wie er im Programm vor dem gestrigen Todesfall war. Die Leitung von TV2 und DR hat noch nicht festgelegt, ob auch die übrigen von Ove Sprogøes 156 Filmen gezeigt werden, aber die übrigen Porträts gibt es nicht in den Rückschauen um den demütigen, beliebten Schauspieler, abgesehen von einem ganzen Abend in der TV2 Serie „Dansk filmskat“ (dänischer Filmschatz), der Ove Sprogøe gewidmet war. DRs digitaler Radiokanal, DR+, sendet am Sonntag Ove Sprogøes sechsstündige Lesung von „Den forsvundene fuldmægtig“ (Der verschwundene Bevollmächtigte), um 5.00, 11.00, 17.00 und 23.00 Uhr.
siml
Text ganz unten rechts
BLÅ BOG – Blaues Buch
Ove Wendelboe Sprogøe Petersen. Geboren 21. Dezember 1919 in Odense. Sohn von Buchdrucker Arthur und Inger Sprogøe. Seit 29. März 1945 verheiratet mit Magister Eva Sprogøe, geboren 19. April 1922. Gemeinsame Söhne Jørgen, Sven und Henning.
Bildbeschreibungen
großes Bild in der Mitte
Hoch geliebt:
Ove Sprogøe bekommt hier einen Ehrenbodil für seine 53 Jahre bei Film und Theater von Ghita Nørby überreicht. Das war 1999. (Foto: Thomas Wilmann)
Bild ganz oben rechts
Der junge Sprogøe hatte seinen Durchbruch als Nicolai in „Nøddebo Præstegård“. Ihn spielte er die nächsten 14 Jahre. Hier ist er 1962 als Lars in „Nøddebo Præstegård“ zu sehen. (Polfoto)
Bild rechts unten
Jung und scharfgeschnitten 1949 im „Det ny Teater“ (Das neue Theater) in „Rygende Gæster“ (Oh diese Gäste) (Foto: Ekstra Bladet)
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