Start › Presse › Ekstra Bladet, 2004-09-15 (Ove Sprogøe, S. 32)
::2004-09-15 Ekstra Bladet (Ove Sprogøe)::
::Seite 32::

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Deutsche Übersetzung von Guido (FranzJägerBerlin):

Lebewohl, Egon

Held der Gefangenen: Die Inhaftierten in Vridsløse jubeln jedes Mal, wenn ihr Idol entlassen wird und gehen durch Egons Tor

Er hat nie mehr als eine halbe Stunde hinter Gittern verbüßt, aber trotzdem wird Ove Sprogøe für immer in Erinnerung bleiben, als der berühmteste Gefangene im Vridsløselille Stætsfængsel: Verkleidet als Egon Olsen, der mit Melone auf schief, Zigarre im Mundwinkel und einem genialen Plan unter dem Arm, die Freiheit und neue Abenteuer begrüßt, während das schwere, grüngestrichene Tor hinter ihm zuschlägt. „Egons Tor“, wie die Gefangenen das Symbol aus den 14 Filmen mit der Olsenbande heute nennen.

Juhuu, er ist frei
„Wenn wir als Meute gemeinsam einen der Filme sehen, gibt es fast Länderspielstimmung wenn er das Gefängnis verläßt. Dann klatschen wir und rufen ‚juhuu‘“, erzählt der 48jährige Jørgen, der ebenso wie Egon schon früher einsaß: „Als ich das erste Mal entlassen wurde und selbst durch das Tor ging, war mein erster Gedanke, jetzt habe ich das selbe probiert wie er“, erinnert Jørgen, der wegen Mord verurteilt ist, und in Gesellschaft mit dem 42jährigen, wegen Raub verurteilten, Claus eingewilligt hat Ekstra Bladet zu treffen und dem Favoriten der Gefangenen einen letzten Gruß zu senden.

Jungstraum
„Die Olsenbande sind fantastische Filme. Wenn man als Lausebengel überhaupt davon träumte, kriminell zu werden, handelte es sich um Verbrechen, die ebenso fantasievoll waren wie Egons Pläne, bei denen niemand zu Schaden kommt.“ „Aber die Filme sind selbstverständlich auch romantisierend im Verhältnis zur Wirklichkeit. Obwohl es ein schönes Gefühl ist durch das Tor zu gehen, werden wir nicht von Freunden mit dem Dannebrog erwartet. Für die meisten von uns beginnt die Strafe erst ernsthaft, wenn wir entlassen werden und ein normales Leben starten müssen. Als Vorbestrafter kann man ja nicht mal Leergutsammler werden“, konstatiert Claus, der auch den Ausflug nach Vridsløse zweimal versucht hat. „Ja – die Olsenbande ist auch der Kampf des kleinen Mannes gegen die Großen. Damit können wir uns ohne weiteres identifizieren – besonders nachdem das Lene-Mädchen*) es bis zum Justizminister gebracht hat. Jetzt sollen wir nur Maul halten und verbüßen“, fügt Jørgen hinzu.

Egon Olsens Allee
Beide haben alle 14 Filme mehrere Male gesehen. Und beide wissen, dass die nächste Generation bereit steht mitzuschauen – obgleich es schwer war, als Jørgens fünfjähriger Enkel einmal fragte, warum Egon rausgelassen wurde, wenn Opa im Gefängnis bleiben muss. „Mir ging es auch nicht gut, als meine Tochter fünf Jahre alt war und gemeinsam mit ihrer Mutter ihre erste Olsenbande sah. Als sie sah, dass das Tor sich hinter Egon schloß, sagte sie laut: ‚da wohnt Vati‘“, sagt Claus, der frühstens 2009 das Vridsløselille Stætsfængsel verlassen kann. Bis zu dieser Zeit hofft er, dass die Adresse in Albertslund von Fængselsvej in Egon Olsens Allee gewechselt hat. „Diese Ehre hat Ove Sprogøe verdient.“

mob (at) eb.dk

von Morten Bruun


Bildbeschreibungen
Bild ganz oben
Wir schicken eine Blume
Sorgfältig hinter den Gittern verschlossen können Claus (links) und Jørgen nur Egons Tor sehen: „Wir werden unsere Sprecher fragen, ob wir einen Sargschmuck zu Sprogøes Beerdigung schicken sollen“, sagen sie. (Foto: Nicolai Svane)

Bild unten Mitte
Egons ewiges Lebewohl zum Gefängnis ist ein Symbol der Olsenbande – jetzt meinen die Insassen, die Straße soll nach ihrem Favoriten benannt werden. (Foto: Rolf Konow)

*) Lene Espersen - Justizministerin

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