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Deutsche Übersetzung vom Guido (mit freundlicher Unterstützung von ThePirate und martin_dk):
Er glaubte bis zu letzt an das Leben
Artikel links vom großen Bild:
Nichts konnte mehr im Kampf gegen den Krebs helfen, aber Axel kämpfte darum, sich seinen Lebensmut, seinen Humor und seine Neugier zu bewahren.
von Torben Bagge
"Axel war während der letzten Monate sehr krank. Der Krebs setzte ihm hart zu. Trotzdem bewahrte er sich unglaublichen Lebensmut und Hoffnung. Er wollte nur Leben. Vom dem Todesurteil, das er praktisch von den Ärzten bekam, lies er sich nicht niederringen. Er glaubte und hoffte lange daran, dass er die Chance bekommen würde, ein Jahr oder anderthalb, länger zu Leben“, sagt die Schauspielerin Hanne Borchsenius, die mit dem beliebten Axel Strøbye ein Menschenalter lang verheiratet war.
Hanne sass an der Seite ihres geliebten Mannes und hielt ihm die Hand, als er gegen 2 Uhr in der Nacht zu Mittwoch still und friedlich starb. An ihrer Seite ein engagierter Krankenpfleger vom Hospiz, zu dem sie und Axel in den letzten schweren Wochen Kontakt hatten. „Am 9. Juli war unser Hochzeitstag, und dann starb er hier, nur ein paar Tage später. Das ist so seltsam. Aber solch ein Todesurteil, wie er es vor ein paar Monaten erhielt, macht jeden Tag wertvoll. Wir haben in der letzten Zeit auch oft zueinander gesagt, wie glücklich wir in den nahezu 29 Jahren gewesen sind – zuerst waren wir fast zwei davon verlobt und zogen zusammen. Axel meinte, wir haben ein schönes Leben zusammen gehabt. Er erzählte die ganze Zeit von all dem Guten, dass wir gemeinsam aufgebaut haben.
Der Lebensmut war groß
Er war unglaublich positiv und so voller Lebensmut. Als er über einen anderen Krebspatienten hörte, dass ihm die Ärzte kaum noch zwei Wochen zu leben gaben, und der sie aber austrickse und weitere anderthalb Jahre lebte, sagte Axel: ‚Das wünsche ich mir auch, dass das passiert. Ich möchte auch gerne ein oder anderthalb Jahre mehr leben. Da ist richtig viel, was ich gerne schaffen möchte.‘ Unter anderem war er verrückt darauf, Kunst zu erleben. Darauf in Ausstellungen zu gehen – und auch darauf, selbst zu malen. Seine Ölgemälde hängen z.B. an den Wänden des Justizministeriums. Darüber freute er sich.“
Die letzte Zeit
Habt ihr darüber gesprochen, wie seine letzte Zeit sein sollte?
„Ich hatte Axel feierlich gelobt, dass er das Recht haben sollte zu Hause zu sterben. Das war ihm enorm wichtig. Er liebte sein Heim über alles. Er war ein sehr privater Mensch. Und es war auch für mich wichtig, dass es sich in geborgener Umgebung abspielt. Es ist bestimmt nicht lustig, jeden Morgen aufzuwachen und als erstes zu denken, dass mein geliebter Schatz, Axel, Krebs hat und, dass es nur einen Weg geben kann - dass er schnell an seiner Krebserkrankung sterben soll. Die Wenigsten begreifen wohl richtig, wie Angehörige mit diesem Wissen umgehen.
„Am 9. Juli war unser Hochzeitstag, und dann starb er hier, nur ein paar Tage später. Das ist so seltsam.
Ich habe nicht so viel mit anderen darüber gesprochen – es ist so schwer. Aber ich habe glücklicherweise die ganze Zeit Unterstützung durch ein gutes Netz von vielen engen Freunden gehabt. Dafür bin ich zutiefst dankbar.“ Hatte Axel einen guten Tod?
“Das denke ich. Ja, er hatte einen guten Tod. Das Wichtigste an dem ganzen Verlauf war für mich, dass Axel keine Schmerzen hatte. Er wurde ganz schmerzfrei gehalten. Das glückte auch sehr lange“, sagt Hanne Borchsenius, die ihrem Mann eine Bestattung in aller Stille versprach. Hannes Bruder, Axels Schwager, Kaj Thingsig, war in der Stunde bei Axel, als er still einschlief. Er erzählt: „Wir standen in gutem Kontakt in den letzten Wochen. Haben viel zusammen gelacht, selbst als es schlimmer wurde. Er war sehr schwach die letzten Tage. Ich bekam keine richtige Verbindung zu ihm.
Mein richtig guter Freund
Mein Schwager wurde auch mein richtig guter Freund. Axel war ein wahrer Lebenskünstler. So voller Humor, so unglaublich lustig war es mit ihm, zusammen zu sein, so voll mit Wissen, wie ein 10bändiges Lexikon. Er liebte wirklich das Leben. Ich kann gerade jetzt nicht begreifen, wie ich ohne ihn weiterleben kann“, sagt der Schwager. Ursprünglich hatte Axel Strøbye Blasenkrebs. Es hatte deswegen vor ein paar Jahren eine grosse Operation und bekam stattdessen eine künstliche Blase. Er lebte eine gewisse Zeit lang sehr gut damit. Später breitete der Krebs sich aus. Den Ärzten zufolge endete es unter anderem mit Niereninsuffizienz. Der Journalist von B.T. hatte ein Gespräch mit Axel Strøbye, als er das letzte Mal – für ca. 4 Wochen im Februar/März – im Kreiskrankenhaus in Herslev eingeliefert war. Hier hatte er ein Einzelzimmer mit Fernseher in der 22. Etage, aber er lief auf den Gängen umher, voller Lebensmut – häufig plauderte er mit den anderen Patienten der Abteilung. Hier war es, wo er von den Ärzten aufgegeben wurde. „Mir ging es nicht so gut – körperlich gesehen. Es ging schnell bergab mit mir. Aber mein Lebenswille war in Ordnung. Ich WEIGERTE mich aufzugeben“, sagte der Schauspieler, unter anderem mit seiner bekannten, klaren Stimme – und einem breiten, großen Lachen.
Artikel rechts vom großen Bild:
Ein Kind, dass Axel nicht erreichte.
von Maggie Svarstad
Lone Hertz und Axel Strøbye waren in den 1960er und 1970er Jahren hierzulande eins der populärsten Paare im Film und am Theater, und von aussen betrachtet, war alles schön anzusehen.
1966 bekamen sie den Sohn Tomas, der, vermutlich wegen einer sogenannten Trippler-Vaccine [Lympherkrankung], am Hirn geschädigt wurde. Zwei Jahre später bekamen sie die Tochter Micaëla. Mit zur Stammfamilie gehörte auch Lones Sohn, Steen Stig Lommer. Das Paar war damals in den Medien sehr offen damit, wie es ist, ein behindertes Kind zu haben und wie sie dafür kämpften, Tomas die besten Bedingungen für sein Heranwachsen zu geben. Steen Stig Lommer hat später in der B. T. darüber erzählt, wie ihm seine Mutter und Axel Strøbye gerade am Beginn mit Tomas, ordentliche Wertvorstellungen und ein tolerantes Menschenbild vermittelten. Aber das Verhältnis zwischen Hertz und Strøbye sollte keinen Bestand haben.
Allein mit den Kindern
Im Oktober 1975 erzählte Lone Hertz das erste Mal darüber, dass „sie mit den Kindern alleingelassen wurde“. 1978 heiratete Strøbye Hanne Borchsenius. 1998 – in Zusammenhang mit seinem siebzigsten Geburtstag – sagte Strøbye in einem grossen Interview, dass er „am liebsten nicht über die Beziehung zu Lone Hertz sprechen möchte, besonders nicht über das Verhältnis zu den zwei Kindern“, dem hirngeschädigten Tomas und der Tochter Micaëla. Er gab zu verstehen, dass er Tomas seit 20 Jahren nicht gesehen hatte. Und die Tochter seit 12. Weil er „nicht konnte“. Axel Strøbye hat die unglücklichselige Sache seitdem nicht mehr kommentiert.
maggie (\at/) bt.dk
Artikel ganz rechts:
Er traf den Polizeibeamten ganz genau
Die Art als Polizeibeamter in den Olsenbandefilmen zu reden und die Art darüber zu reden, seine ganze Sprechweise, ja, sie traf ins Schwarze.
„Aber, woher weiss er das? Und wer hat den Autoren davon erzählt, dass das passt“, fragten sich verschiedene Polizisten. Sie erkannten alle den Typ des desillusionierten und resignierenden Polizeibeamten wieder, der dann plötzlich, wenn er scharf gemacht wurde, emporsteigen kann, wie der Geist aus der Flasche, um mit der „ganzen Nordflanke der NATO“ auszurücken - wie sie es nennen, wenn Einsatzfahrzeuge über die Leinwand hinwegrasen. Mit einem springenden und entflammten Polizeibeamten auf dem Rücksitz. Die Polizisten erkannten alle Axel Strøbyes Polizeigeschwätz über die Besoldungsklassen, Vorgesetzenschmeichelein, Pensionsgerede und die Rücksichten auf den Minister wieder. „Axel Strøbyes Ansprachen an Ole Ernst, als meinen jungen Freund, und anschliessend unangenehme Sachen, nach denen der Minister soeben fragte, zu verstecken, ja, das ist wie in einer Polizeikantine zu sitzen und dem Klatsch dort zuzuhören“, sagten die alten gegerbten Ermittler über den Schauspieler, den sie unendlich bewunderten. „Es geht nicht darum Fälle aufzuklären, nein, es geht darum befördert zu werden“, war einer von Axel Strøbyes Polizeisprüchen. Und der stimmte.
sin
Artikel ganz unten neben den Bildern von links nach rechts:
Strøbyes beste Streifen
Axel Strøbye war in über 100 Filmen mit dabei. Der erste war „Nålen“ (Die Nadel) von 1951, wo Strøbye einen Einbrecher spielte.
Der letzte war Per Flyns 5 Jahre alter „Prop og Bertha“, wo er gemeinsam mit Otto Brandenburg und Lisbeth Dahl den Trickfiguren die Stimme lieferte.
Bezwinger der Bande
Neun mal schaffte es Axel Strøbye den autoritätsgläubigen und nach und nach herrlich desillusionierten Kriminalkommissar Jensen zu spielen – dessen grösstes Vergnügen es war, Ole Ernsts Holm cholerisch herumzudirigieren und die Absätze zusammenzuschlagen, wenn der Justizminister wieder in der Leitung war. Als Strøbye und seine Kollegen 1998 „Olsenbandens sidste stik“ (Der [wirklich] allerletzte Streich der Olsenbande) drehten – 18 Jahre nach „Olsenbanden over alle bjerge“ (Die Olsenbande fliegt über alle Berge) – erzählte Strøbye der B.T., wie sehr er Jensen immer gemocht hat. „Balling hat Kriminalkommissar Jensen immer gerne verwendet, um seine Einstellungen auszudrücken. Ich finde es ist prima, dass die Rolle auf diese Art Gehalt bekam. Das ist wohl einer der Gründe dafür, dass ich mich immer an meine Rolle gehalten habe. Das ist immer die tragende Idee gewesen.“
Foto: Rolf Konow
Matador
Im Grossen und Ganzen waren alle Schauspieler in „Matador“ handverlesen, gut gespielt und einzigartig angeleitet von Erik Balling. Nicht zuletzt Axel Strøbye, der geschäftige und dynamische Landanwalt Viggo Skjold Hansen mit den Wehrmachtsverbindungen, dem Vorstandsposten bei der Korsbæk Bank, dem Wunsch mit Mads Skjern fertig zuwerden, dem unbändigen Mädchen des Vater, der Tochter Iben. Und der etwas prolligen Frau Musse.
Foto: Rolf Konow
Onkel Erik
Onkel Erik Lund heisst Axel Strøbyes mächtig klotzender Kinderpsychologe. Dessen Not damit anfing, als er im ersten von drei „Min søsters børn“-Filmen (Die Kinder meiner Schwester/dt. Titel: "Kleine Sünder - große Sünder") versprach, ausgerechnet auf die sechs charmanten Blagen aufzupassen, während sie und ihr Mann in die Ferien fuhr. Er brauchte sein Psychologiebuch als Bedienungsanleitung.
Foto: TV 2
Kasten unten links:
Danke für die Erinnerungen, Axel
Die letzten Jahre von Axel Strøbyes Leben sah die Öffentlichkeit nicht viel von ihm. Aber bevor er krank wurde, war er geradezu unaufhaltbar. Auch als er sich 1993 offiziell Rentner nennen konnte. „So lange es etwas gibt, dass mein Interesse weckt, werde ich diesen Job gerne machen. Ich bin bereit zeitig aufzustehen und mich mit grossem Aufwand für eine Sache einzusetzen, wenn es da etwas gibt, worauf ich Lust habe. Jetzt komme ich ja in ein Alter, wo ich ein bisschen wählerisch sein darf, und das ist ganz angenehm, aber es fehlt mir nicht an Engagement. Ich bin bereit, alle Segel zu setzen“, sagte der 72jährige im Jahr 2000 dieser Zeitung, als Aufgaben in Form von Reklamefilmen, Einsprechen von Zeichentrickfilmen und Fernsehspots ständig Schlange bei einem Mann standen, an den wir uns hauptsächlich wegen seinen grob karikierenden komischen Rollen erinnern, die nach und nach sein Markenzeichen wurden. Sich selbst sah Strøbye, der, bevor er 1950 an das Königliche Theater kam, Architekt wurde, wirklich gar nicht als Komiker. „Ich kann eine Rolle unterhaltend spielen, aber das ist etwas anderes“, sagte er der Zeitung, welcher der autodidaktische Kunstmaler auch mehrmals sein Wissen um die Kunst, die man auf Leinwänden findet und der Kunst, die er selbst auf seinem Küchentisch zu Hause in Gentofte, ausübte, demonstrierte, wo er die meisten der fast 27 gemeinsamen Jahre mit seiner Frau Ulla [sic!] Borchsenius lebte. Aber, obwohl es, im Grossen und Ganzen, nicht nur das Schauspielergenre war, in welchem Strøbye während seiner langen Karriere arbeitete – was ihn vom Theater am Kongens Nytorv über Revuen (bei denen er auch Regie führte) hin zu den Spielfilmen von Balling & Co. bei Nordisk Film brachte – so ist es doch der unfreiwillig witzige Mann mit dem kochenden Temperament und der fantastischen Mimik, welchen wir alle in bester Erinnerung behalten werden.
maggie
Bildunterschriften:
das große in der Mitte
Hanne Borsenius war mit dem beliebten Axel Strøbye (links) ein Menschenalter lang verheiratet. Sie saß an seiner Seite, als er um 2 Uhr in der Nacht zu Mittwoch, still und friedlich starb.
Foto: Mogens Flindt
das s/w rechts
So glücklich waren sie. Das erste Paar des dänischen Films und Theaters 1968 - als der kleine Thomas geboren wurde.
Foto: Tage Nielsen
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