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Start Presse Aalborg Stiftstidende, 1973-07-08 (Film 5)
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::Aalborg Stiftstidende, 1973-07-08 (Film 5)::
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Deutsche Übersetzung von Paul Wenzel:



(Mit freundlicher Erlaubnis durch Nordjyske Medier.)
Die Olsenbande geht wieder um

Die Sonntagsausgabe der Stiftstidende verfolgte für ein paar Tage die Arbeit bei Nordisk Film, wo im Augenblick der fünfte Film über die verrückten Erlebnisse der populären Bande entsteht.

Von Inge Holm Knudsen

In einer Nachtstunde passieren seltsame Dinge in dem etwas angestaubten Büro der Versicherungsgesellschaft "Feuerfest". Drei Männer bereiten sich auf ein zynisches Attentat auf den alten, soliden Tresor der Firma vor und die Nerven liegen blank.

Der Anführer der Bande kaut nervös auf seiner Zigarre herum und schnauzt die zwei anderen an, die nervös mit Sprengstoffladungen, Kabel und Klebeband herumlaufen.

Endlich passiert es… ein enormer Knall, sprühende Funken und eine Serie von Erschütterungen, dass man denkt, jetzt fällt das ganze Haus zusammen - kurz gesagt: Die Olsenbande geht wieder um.

In den Studios von Nordisk Film in Valby ist Direktor Erik Balling gerade dabei seinen Olsenbandenfilm Nr. fünf zu drehen. Außen an der rot angestrichenen Halle 4 hängt ein Schild mit dem Text “Wenn die rote Lampe leuchtet - absolute Ruhe”, und drinnen erklärt Erik Balling seinen Schauspielern ruhig und freundlich, was sie wie tun sollen.

Alle drei hören aufmerksam und konzentriert zu: Ove Sprogøe, das unbestrittene und scharfsinnig Gehirn der Bande, Egon; Morten Grunwald, einfaches tollpatschiges Bandenmitglied, der gutmütige Benny; Preben Kaas, Bennys heruntergekommener Bruder Harry, der gelegentlich bei Spezialaufgaben mitmachen darf.

Egon verfolgt den Coup seines Lebens
Das dritte Mitglied der Olsenbande, Kjeld, der durch Poul Bundgaard verkörpert wird, hat heute frei und liegt sicherlich zu Hause und schläft sich aus nach den gestrigen Anstrengungen in der Cirkusrevye. Es erfordert eine große Ausdauer, um tagsüber Filme zu drehen und am Abend auf der Bühne zu stehen.

“Wir brennen unsere Kerze von beiden Seiten ab, aber zwischendurch geht es trotz allem auch mal friedlicher zu”, sagt Preben Kaas, der im Augenblick auch rund um die Uhr arbeitet.

Der neue Film über die Coups der Olsenbande kommt in den Herbstferien unter dem Titel “Die Olsenbande läuft Amok” in die Kinos. Zunächst wird für ein paar Monate jeden Tag mit Hochdruck an den Filmaufnahmen gearbeitet und danach folgt eine Wahnsinnsarbeit mit Schnitt, Hintergrundmusik, Kopienherstellung und allen anderen technischen Details, die man abarbeiten muss, bevor der Film für die Premiere startklar ist.

Diesmal verfolgt Egon den Coup seines Lebens und darum ist es für ihn eine enorme Enttäuschung, dass die Kameraden Kjeld und Benny überhaupt nicht interessiert sind und sie nicht wie gewöhnlich begeistert vor dem Gefängnis auf ihn warten. Sie haben nämlich eine feste Arbeit bekommen und haben andere Sachen im Kopf. Bei Egons Plan geht es um einen Hintermann und einen Coup mit sechs Millionen Kronen Schwarzgeld. Aber leider ist auch die Polizei gerade dabei den gleichen Hintermann hochgehen zu lassen und darum kreuzen sich die zwei Handlungsstränge auf die gewöhnliche verrückte Art.

Kjeld und Benny leisten natürlich dennoch - trotz der verbesserten gesellschaftlichen Position - ihren Beitrag in ihren Rollen als die erfolglosen Helden und es kann auch verraten werden, dass die gesamte Olsenbande dieses Mal am Ende nach Mallorca fliegt. Egon wird sogar standesgemäß von der Polizei zum Flugzeug eskortiert, obwohl die ansonsten ganz bestimmt nicht zu seinen besten Freunden zählt.

“Feuerfest” von der Olsenbande als Opfer ausgesucht
Aber zunächst sind wir also mit der Szene in den Büros der Versicherungsgesellschaft "Feuerfest" beschäftigt. Wenn es denn gelingt die ganzen Aufbauten ringsherum zu ignorieren - die akustikverbessernden grauen und roten Teppiche, die von der Decke herabhängen, ein Wirrwarr aus Lampen, Leitungen, Kameras und Leute die alles bedienen, Erik Ballings Regiestuhl, der eine Flasche Whisky kostet, wenn sich andere draufsetzen, stapelweise Kulissen, die sich im Hintergrund gegen die Wände lehnen - dann ist die Szene außerordentlich realitätsnah.

Die Ausstattung wird dominiert von ein paar alten, braunen Schreibtischen mit grünem, tintenbeflecktem Linoleum auf der Tischplatte. An der Wand hängt ein Kalender der Firma Mayland von 1970 und ringsherum stehen Telefone, Archivkisten, Stapel mit Papierbögen, Briefumschläge, Stempel und Briefablagen. Mitten auf dem Tisch steht eine alte Schreibmaschine.

Sprogøes Schimpfwörter werden sieben Mal aufgenommen
Wir sind mit der Szene fertig, in der unsere Helden ein Loch in den Tresor reißen. Daran wurde fast den ganzen Vormittag gearbeitet, aber in dem fertigen Film dauert es wohl nur eine halbe Minute. So sind die Verhältnisse bei der Filmproduktion. Proben über Proben, Diskussionen über Kameraführung und Lichtsetzung, Besprechungen mit Tontechnikern, kleine Korrekturen hier und da, und dann endlich startklar für die Aufnahme. Einmal, mehrere Male, je nachdem wie gut es klappt.

Wenn man es aber wie in diesem Fall mit so gut disziplinierten und gut trainierten Schauspielern zu tun hat, dann ist es in der Regel unnötig eine Szene mehrmals zu drehen. Aber in einer der Aufnahmen an diesem Tag hat Ove Sprogøe jedoch einen langen Monolog mit vielen irre schweren Schimpfwörtern und das drehen wir sieben Mal, bevor Erik Balling und sein Mitverfasser des Drehbuchs, Henning Bahs, ganz zufrieden sind.

Man spürt deswegen aber keine Ungeduld oder bösen Blicke. Dafür gibt es bei allen im Studio kindliche Freude und viel Gelächter, als es dann endlich perfekt gelungen ist. Überhaupt sieht es so aus, als ob man bei Nordisk Film sehr nett miteinander umgeht.

In einer kurzen Pause gehen wir raus und schnappen frische Luft und als wir zurückkommen, ist das ältere, aber trotzdem noble Versicherungsbüro fast nicht mehr wiederzuerkennen. Die umgeworfenen Möbel sind mit Schutt und Kalkputz überzogen und im Geldschrank klafft ein Loch. Selbst die Mitglieder der Olsenbande sind beeindruckt von dem Zerstörungswerk des Regisseurs.

Sie legen sich in der Ruine auf den Boden und unter dem Dach sitzt ein junger Mann mit Plastikeimer und verstreut Wolken von Talkumpuder, Kies und verbogenen Nägeln über die schockierten Verbrecher, die in ihrer Fantasie auf die nachhallenden Explosionen hören, nach der geglückten, aber etwas umfangreicheren Tresorsprengung.

Es sieht so aus, als ob das eine spektakulär gelungene Szene wird. Erik Balling versetzt die Deckenlampe des Büros in leichte Schwingungen, bevor der Kameramann Jørgen Skov seine Kamera über das neblige Schlachtfeld schwenkt.

Morten Grunwald schüttelt nervös seinen Kopf, Ove Sprogøe starrt verbissen auf den Geldschrank und Preben Kaas’ Harry, der wie ein Schrottplatz aussieht, ist völlig weggetreten. Es kommt nur ein einzelner Ton aus seiner Ecke. Das stand nicht im Drehbuch, aber Erik Balling findet die Idee so gut, dass er Harry bittet das Geräusch bei der zweiten Aufnahme nochmal zu wiederholen.

Auf dem Weg zum Urlaub auf Mallorca
Gestern drehten wir den ganzen Tag am Flughafen in Kastrup. Zuerst draußen auf der Betonpiste vor einem der langen Finger des Terminals, wo das große Aufgebot an Statisten, Olsenbandenmitgliedern und Technikern für allerlei Aufsehen sorgte. Das galt nicht zuletzt Kirsten Walther, die Poul Bundgaards - Kjelds lebhafte Frau Yvonne spielt. Für den Flug nach Mallorca traf sie in einem auffallenden gelb-orangenen Kleid und dazugehörigen weißen Riesenhut ein.

Sie, der Gemahle und der Sohn Børge - gespielt von dem 16-jährigen Jes Holtsø, der in “Oh, diese Mieter!” der Sohn von Möbelträger Olsen ist - einschließlich Bandenmitglied Benny, entfernen sich von dem Flughafengebäude hinüber zu dem wartenden Caravelle-Flugzeug auf dem Weg zum Urlaub - ohne Egon - auf Mallorca.

Sie waren ringsherum von anderen Mallorca-Touristen umgeben - sorgsam ausgesuchte Statisten für einen Tageslohn von 125 Kronen (ca. 17 Euro): mit versiegelten Flughafentüten aus den zollfreien Geschäften des Terminals.

Sie wurden vorher auf den Weg gebracht von Produktionsleiter Bo Christensen und seinen Mitarbeitern, deren Aufgabe es ist, dass alles am richtigen Ort zur geplanten Zeit vorhanden ist. Sie waren auch dafür verantwortlich den ganzen Tag Kisten mit Bier und Wasser sowie massenweise Kaffee in Thermoskannen herumzuschleppen und in den Pausen blitzschnell zu verteilen. Und sie sorgten in einer der Kantinen des Flughafens für Platz für das gesamte Filmteam und alle Statisten für ein schnelles Mittagessen.

Der Clou des Tages war Egons formidable Ankunft in einem Polizeiauto mit Blaulicht, kurz bevor das Flugzeug nach Mallorca abhob. Er stieg vornehm aus dem Auto aus, während die zwei Polizisten ihm achtungsvoll salutierten und er mit einem hämischen Lächeln und der unentbehrlichen Zigarre im Mund die hinterste Treppe des Flugzeugs hinaufeilte.

Am Nachmittag war die Fortsetzung auf einem ganz anderen Teil des Flughafens, nämlich in der Nähe der Hallen von Sterling Airways. Und wenn der Film später in den Kinos gezeigt wird, wird keiner wissen, dass wir in der Zeit von dem einen kurzen Bildwechsel bis zum nächsten eine Mittagspause abhielten mit rotem Hering und mit Ei belegten Brotscheiben. Man wird nur Ove Sprogøe sehen, wie er in die Maschine klettert und in der nächsten Sekunde von einer Stewardess begleitet den Mittelgang entlangläuft. Zur Verwunderung und leicht peinlichen Überraschung für die zwei anderen, nicht ganz so loyalen Olsenleuten.

Während die Szene im Laufe einer Nachmittagsstunde gedreht wurde, saß ich auf Platz 3 A vorn im Flugzeug auf einem umgedrehten Sitz, eingeklemmt zwischen einer langen Eisenstange mit Mikrofon auf der einen Seite und drei-vier Kabeln für die Stromversorgung auf der anderen Seite.

Etliche Sitze wurden entfernt, um Platz für die Kameraleute und ihre Technik zu schaffen und starke Scheinwerfer leuchteten direkt in die Gesichter der 25 geduldigen Statisten und die ebenso geduldigen Hauptpersonen.

“Wieder mal in letzter Minute, wo hast du dich überhaupt herumgetrieben?”, zwitscherte Kirsten Walther, die die ganzen Machenschaften nie so richtig durchblickt hat.

Egon lächelte geheimnisvoll vor sich hin, während Benny nervös auf seinem Sitz hin und her rutschte und wir saßen alle mucksmäuschenstill, bis Erik Balling vielen Dank und raus sagte, ganz so als ob er wirklich dankbar war.

Es ist angenehm mit ihm zusammenzuarbeiten - das sagen seine Mitarbeiter. Er selbst versichert, dass er es am besten leiden kann, wenn die Sache still und ruhig vonstattengeht. Bisher hat er es noch nie erlebt, dass mit Geschrei und großen Armbewegungen etwas Gutes entstand, selbst wenn einige Regisseure das zu glauben scheinen.

Immer wieder verblüfft über Olsen-Erfolg
Er ist ehrlich verblüfft über den anhaltenden Erfolg der Olsenbande. Wie alle anderen ging er davon aus, dass “Die Olsenbande und ihr großer Coup” vom Vorjahr der absolut letzte Film in der Reihe werden würden. Aber nun passierte es, dass er so viel Geld wie kein anderer dänischer Film zuvor eingespielt hat, ohne dass man die einzigartige Popularität erklären könnte. Aber auf jeden Fall inspiriert das natürlich dazu den Faden noch einmal aufzunehmen.

Kein Mensch auf der Welt ist imstande das Rezept für einen Filmerfolg aufzuschreiben, aber in Filmkreisen meint man, dass die Mitglieder der Olsenbande allmählich als eine Art klassische Figuren betrachtet werden müssen, ähnlich wie z.B. Pat & Patachon, und dass treue Kinobesucher immer wieder kommen um ein freudiges Wiedersehen erleben zu können.

Ob es dann auch einen Olsenbandenfilm Nr. 6 geben wird?

Erik Balling sagt, dass er es nicht weiß, dass die Zeit es zeigen wird, dass man ja auf Mallorca beginnen könnte, wo der fünfte endet und dass es von so vielen Dingen abhängt.

Bildunterschriften:

Seite 5, rechts:
En enormer Knall und eine Serie von Erschütterungen. Kein Zweifel: die Olsenbande geht wieder um.

Seite 5, links:
Erik Balling und Preben Kaas - Pause bei den Dreharbeiten.

Seite 6, oben:
Kjeld (Poul Bundgaard) zeigt sich im Film in vielen Situationen als den sehr ungeschickten Helden. Hier an der Seite von Kirsten Walther während der Aufnahmen in einem Flugzeug.

Seite 6, unten:
Der Bart wird richtig angebracht - und dann ist Ove Sprogøe bereit, um seine Rolle als der unbestrittene Chef der Bande mit dem scharfsinnigsten Gehirn zu spielen.





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