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Start Presse Aalborg Stiftstidende, 1997-10-26 (Poul Bundgaard)
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::Aalborg Stiftstidende, 1997-10-26 (Poul Bundgaard)::
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Deutsche Übersetzung von Paul Wenzel:


(Mit freundlicher Erlaubnis durch Nordjyske Medier.)
Der ewige Bundgaard

Poul Bundgaard feiert gleichzeitig mit seinem 75. Geburtstag auch sein 50. Jubiläum. Der Konsum-Handlungsgehilfe aus Hellerup freut sich auf den Dreh des 14. Olsenbandenfilms, wo er den Witwer Kjeld spielt.

Von Henrik Hermann

“Wenn nicht ich lebensfroh bin, wer dann? Ich kenne niemanden, der so ein herrliches Leben hatte, wie ich!” Poul Bundgaard lehnt sich nach vorn aus dem tiefen Sofa in dem prachtvollen Wohnzimmer in der Villa in Charlottenlund (Vorort von Kopenhagen, Anm. Übersetzer).

Der Flügel steht blankpoliert auf dem Parkettboden und das Wohnzimmer ist voll mit schönen Möbeln, Gemälden, Nippes und Vasen in vielen Größen. In der Einfahrt steht der große BMW, Bundgaards Motor Wagen, wie der Hausherr ihn nennt.

Vor fast 75 Jahren gab Poul Bundgaard sein Debüt. In einem Film mit Pat & Patachon alias Carl Schenstrøm und Harald Madsen. Der Film hieß Professor Petersens Pflegekinder.

“Die benötigten ein kleines Kind und da nahm man dann also mich. Ich war gerade mal vier Monate alt”, lacht Poul Bundgaard, der den Film mit sich selbst in der Rolle als Babystatist oft gesehen hat.

Nach 13 Olsenbandenfilmen und 70 Kilo später, ist der Opernsänger und Schauspieler Poul Bundgaard jetzt so gut gelaunt, wie noch nie. Er freut sich darauf, sich in Anlehnung mehrerer runder Tage feiern zu lassen und er freut sich darauf noch mindestens einen weiteren Film in seinem Leben zu machen.

Offiziell hat er in diesem Monat sein 50. Jubiläum als “richtiger” Schauspieler und am Montag feiert Poul Bundgaard seinen 75. Geburtstag.

Er hat viele Male die Klingen mit dem Sensenmann gekreuzt, aber so wie er im Sofa sitzt und lächelt, strahlt er echten Lebensmut und Lebensfreude aus.

Er blickt liebevoll zu seiner Frau Kirsten, die mit einer glorreichen Karrieren - fast 30 Jahre - als königliche Solotänzerin aus der Küche herausspringt mit Poul Bundgaards Lieblingsgetränk: Ein vorzügliches Produkt von den schottischen Milchkühen, wie er es nennt.

Drei Kurze, bitte
“Nein, nein. Das halten meine Nerven nicht aus. Das ist wirklich zu wenig. Gieß dir mehr Whisky in dein Glas”, sagt Poul Bundgaard. Er würde eigentlich viel lieber ein Marzipanbrot haben, aber nach 25 Jahren mit einer immer schlimmer werdenden Zuckerkrankheit, hat er begonnen sich bei den süßen Sachen zurückzuhalten.

Aber der Arzt hat ihm erlaubt, sich ab und zu bei einer guten Mahlzeit einen Kurzen zu gönnen. “Poul Reichhardt brauchte immer einen starken Whisky. Ich nehme lieber drei Kurze. Dann halte ich länger”, grinst der Lebensgenießer Poul Bundgaard mit einem Leuchten in den Augen.

Erst mit 40 Jahren begann er Whisky und andere edle Tropfen zu trinken. Seine Stimme konnte weder Bier, Wein noch Whisky in größeren Mengen vertragen.

“Und so schnappte ich mir ein Stück Plundergebäck und ich habe mich ja nicht gerade zurückgehalten. Mein Kampfgewicht lag bei über 135 Kilo. Jetzt wiege ich 75”, sagt Poul Bundgaard. Der Sahnetortenessende, nervöse Kjeld aus den Olsenbandenfilmen ist ein schlanker älterer Herr geworden und damit geht es ihm gut.

Ich dachte, ich muss sterben
Die drei Kinder und sechs Enkel nehmen beinahe das gesamte Leben von Poul und Kirsten Bundgaard in Anspruch. Um die Krankheit kommen wir nicht herum und er liest gern aus der Krankenakte vor. Er bekommt viele Briefe von Dänen, die wissen möchten, wie er trotz einer ernsten Erkrankung mit so einer großen Vitalität weiterleben kann.

“Vor einigen Jahren war ich dabei zu sterben, aber der Arzt sagte mir glücklicherweise nicht, dass ich dabei war zu sterben, als ich im Krankenhaus lag, nach vier Blutgerinnseln - eins im Herz, eins im Bein und zwei in der Lunge”, sagt Poul Bundgaard, der zwei Bypass-Operationen über sich ergehen lassen musste.

“Hätte der Arzt das gesagt, dann würde ich hier heute nicht sitzen, da bin ich mir ganz sicher. Lüg, lüg, lüg, sage ich. Denn mir ging es ja eigentlich gut. Ich wusste ja nicht, dass meine Frau und Kinder draußen in der Toilette standen und weinten. Sie lächelten mich an, als sie wieder reinkamen”, sagt Poul Bundgaard.

Nach der schweren Krankheit war seine Stimmung ganz unten im Keller und er sagte, dass er vermutlich seinen letzten Film gemacht hat. Jetzt blickt er positiv in die Zukunft.

Die letzte Olsenbande
“Ich hoffe, ich darf bei dem letzten Olsenbandenfilm mit dabei sein. Aber der soll erst im Herbst gedreht werden. Ansonsten ist alles bereit. Balling und Bahs sind in Paris gewesen um zu schreiben. Und das Drehbuch? Also offiziell habe ich es nicht gelesen, aber es ist sehr, sehr lustig. Das bisher beste”, lacht Poul Bundgaard.

Vier Tage nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, verzichtete er auf den Rollstuhl und drehte den viel gelobten Werbefilm mit den beiden anderen Bandenmitgliedern.

Die Olsenbande trifft sich oft und schmiedet Pläne. Mit seinen 76 Jahren ist Ove Sprogøe der Alterspräsident, während Morten Grunwald mit seinen gerade mal 62 Jahren beinahe als jugendkrimineller Bube betrachtet wird.

“Wir haben richtig viel Spaß und außerdem können wir zusammen etwas essen. Also aller Viertelstunde etwas”, lacht Poul Bundgaard.

In dem geplanten Film muss er einen Witwer spielen, da Kirsten Walther, die in der Serie seine Hausfrau Yvonne spielte, vor einigen Jahren verstorben ist.

“Sie war ein fantastisches Mädchen”, sagt Poul Bundgaard. Sein Blick geht etwas in die Ferne.

“Wenn man, so wie ich, älter wird, dann wird man manchmal etwas merkwürdig. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele nahe Freunde und gute Bekannte ich verloren habe. Ich glaube es waren rund ein Dutzend, aber es sind viel zu viele, die viel zu früh von uns gegangen sind”, sagt er. Der erste in der Reihe von 136 gestorbenen Freunden und Bekannten, den er nennt, ist der Freund Dirch Passer. Die zwei haben vier Jahre zusammen in der Cirkusrevue gespielt.

Und noch ein gestorbener Freund, Preben Kaas, der Poul Bundgaard weg vom Königlichen Theater in die Cirkusrevue gelockt hat. Er hatte nicht vor das Theater zu verlassen, wo er seine bis dahin beste Rolle bekommen hatte.

“Bei dieser Rolle traf ich auf Kirsten. Denk nur, sie hat mich 35 Jahr lang ausgehalten”, sagt er. Preben Kaas machte ein Angebot, das Poul Bundgaard nicht ausschlagen konnte. Eine Summe, die einer vierjährigen Gage am Königlichen Theaters entsprach.

“Geld ist nicht alles, aber es ist nett welches zu haben, dachte ich. Heute bin ich froh, dass ich es gemacht habe. Die vier Jahre zusammen mit Dirch Passer waren meine besten auf der Bühne. Wir hatten es echt fantastisch. Wir lachten über die gleichen Dinge”, sagt er.

Dirch legte mich rein
“Es muss doch eine Anekdote aus den glücklichen Tagen im Bakken geben.” (Vergnügungspark in Kopenhagen, in dem sich die Cirkusrevye befindet, Anm. Übersetzer)

Poul Bundgaard erschien für seine Rollen pflichtbewusst immer zu zeitig.

“Eines Abends kam ich wie gewöhnlich fünf Minuten bevor ich auf die Bühne sollte. Zufällig hatte ich ein herrliches Stück Plunder in der Hand. Das sah Dirch. Er kam zu mir und sah mich an und dann flüsterte er: ‘Isst man, während man sich Kunst ansieht?’”

Das hörte Preben Kaas. Am nächsten Abend hatte Kaas dafür gesorgt, dass ein großer Tisch dastand mit Champagner und einem Kellner, der für Poul Bundgaard Schweinebraten servierte, bevor er auf die Bühne musste.

“Als Dirch reinkam und mich sah, brüllte er los vor Lachen. Er liebte solche Situationen. Es sollte noch so einiges geschehen, aber seine Rache war schrecklich.”

Poul Bundgaard sollte ein Lied vortragen, das hieß Per Hikkerup. Er glich dem Minister zum Verwechseln, aber den Text konnte man sich nur sehr schwer merken.

“Als ich eines Abends auf die Bühne kam, sah ich runter in den Souffleurkasten. Dirch Passer saß dort mit einer Perücke, Luciakranz und vier brennenden Kerzen auf dem Kopf. Ich sage dir, das war schrecklich, weil ich ja so leicht zum Lachen zu bringen bin. Dirch platze fast vor Glück. Er hatte das genauestens geplant. Ich versuchte in Gang zu kommen, aber er sagte laut, sodass es alle hören konnten: ‘Das steht da nicht.’ Die Leute schrien vor Lachen.

Später unterbrach er mich erneut. ‘Das steht da überhaupt nicht’, rief er. Dann stand er auf, drehte sich zum Publikum um und erntete den Applaus.

Dirch und ich hatten eine Abmachung. Wir hatten immer so viel zu tun, aber wir sagten: ‘Wenn wir alt sind, dann trinken wir zusammen ab und zu einen kleinen Whisky.’ Aber dazu kam es nicht. Er starb viel zu zeitig. Das war irrsinnig. Er war ein herrlicher Junge. Merkwürdigerweise privat sehr scheu und schüchtern, aber sehr nett.”

Er nennt Karl Stegger, Preben Kaas und viele andere, die viel zu zeitig gegangen sind. Aber er sieht sich noch immer mit Freunden wie Axel Strøbye, Ebbe Rode und Bodil Kjer.

Ein komischer Handlungsgehilfe
“Wäre ich nicht Schauspieler geworden, hätte ich wohl als Leiter eines Konsumladens geendet. Als ich Handlungsgehilfe wurde, war ich noch ganz jung und das war eigentlich sehr spannend”, sagt Poul Bundgaard, der in Valby und auf Amager Waren über den Tresen reichte, bevor er zum Theater wechselte.

“Von meinem Vater habe ich die Ernsthaftigkeit und Gelassenheit. Er war ein Jütländer aus Vejstrup bei Kolding. Wenn er lachte war es lustig. Von meiner Mutter habe ich das Lachen. Dass ich so merkwürdig wurde, wie ich nun mal bin, dazu braucht man nichts zu sagen, wenn man bedenkt, dass sich meine Eltern in einer Schiffsschaukel in Næstved kennengelernt haben!”

Sagt Poul Bundgaard, der seine ersten 10 Lebensjahre in einem geborgenen und wohlhabenden Elternhaus in Hellerup verbrachte.

Die Familie wohnte ganz in der Nähe des Palladium Filmstudios und so kam es, dass Poul Bundgaard noch bevor er ein Jahr alt war, als Statist in einem Pat & Patachon-Film mitwirkte.

Aber er lernte nicht nur das Leben unter den etwas wohlhabenderen in Hellerup kennen. Als er 10 Jahre alt war, bekam sein Vater eine Anstellung als Direktor in einer großen Molkerei und die Familie zog nach Vesterbro (Stadtteil von Kopenhagen, Anm. Übersetzer). Als der junge Poul gut gekleidet und gekämmt einen Hinterhof betrat, kam bald ein kleiner Kopenhagenrüpel und rief: “Seht nur. Ein Scheißer in Leinenhosen!”

Nerven und Lampenfieber
Poul Bundgaard hat es nie bereut, dass er seine große Zukunft als Leiter eines Konsumladens hinter sich gelassen hat. Seine Wahl für den Beruf als Sänger und Schauspieler führte ihn in den 1950er Jahren nach Rom, wo er Gesang studierte.

“Ich wohnte zwei Jahre lang in Rom. Es war wunderbar. Ich spreche italienisch und wir haben da unten immer noch Freunde”, sagt Poul Bundgaard.

Am Königlichen Theater bekam er viele große Rollen, nicht zuletzt in Farinelli. Aber das Lampenfieber gewann die Oberhand und dadurch wurde der Film letztendlich sein Medium. Wenn jemand mit den Nerven und Lampenfieber gekämpft hat, dann ist es Poul Bundgaard.

“Als ich eines Abends auf der Bühne stand, konnte ich mich plötzlich nicht mehr an den Text erinnern. Ich brach völlig zusammen. Ganz furchtbar war das”, sagt Poul Bundgaard, der nachdem er die Bühne verlassen hatte, sich anderseits damit brüsten kann, dass er in über 100 dänischen Filmen mitwirkte.

Bildunterschriften:

großes Bild:
“Wäre ich nicht Schauspieler geworden, hätte ich als wohl als Leiter eines Konsumladens geendet. Als ich Handlungsgehilfe wurde, war ich noch ganz jung und das war eigentlich sehr spannend”, sagt Poul Bundgaard.

kleines Bild, links:
Hinter jedem großen Mann steht eine Frau wie Kirsten Bundgaard. Das Paar vermählte sich 1968 und Poul Bundgaard ärgert sich darüber, dass seine Frau das Ritterkreuz 10 Jahre vor ihm bekommen hat.

kleines Bild, rechts:
So kennen wir Bundgaard - der unterdrückte, nervöse Kjeld mit Hebammentasche.





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