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::Aalborg Stiftstidende, 1998-03-21 (Jes Holtsø)::
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Deutsche Übersetzung von Paul Wenzel:


(Mit freundlicher Erlaubnis durch Nordjyske Medier.)
Der große Kampf des kleinen Børge

Jes Holtsø soll im absolut letzten Olsenbandenfilm dabei sein. Bereits während der ersten Filme rauchte er Haschisch und später wurde er Drogenabhängiger. Nach 14 Jahren Drogenmissbrauchs ist er nun seit sieben Jahren clean.

Von Henrik Hermann

1988 Der Ort des Geschehens ist ein großer Supermarkt in Kopenhagen. Ein Ladendetektiv verfolgt einen alten Bekannten. Ein Drogensüchtiger mit Namen Jes Holtsø.

Wegen der heftigen Entzugserscheinungen hat er verzweifelt ein paar Einkaufstüten mit Rinderlende gefüllt und schleicht sich ohne zu bezahlen an der Kasse vorbei. Draußen vor dem Supermarkt wird Holtsø vom Detektiv überwältigt und fällt zu Boden.

Als Jes Holtsø auf der Straße liegt und der Detektiv auf ihm drauf, da läuft ihm der Rotz aus der Nase und er macht sich in die Hose. Die zweifelhafte Karriere als Fleischdieb und Drogensüchtiger hat einen gehörigen Knick bekommen.

1998 Der Ort des Geschehens ist eine Wohnung in der fünften Etage im Tomsgårdsvej in Kopenhagens trostlosem Nordwestviertel. Jes Holtsø setzt sich mit einer Kippe in der Hand auf das Sofa, während der Kaffee zischend in die Kanne läuft. Stärkere Aufputschmittel braucht er nicht. Das ist vorbei. Er war sieben Jahre clean. 41 Jahre ist er jetzt alt und 14 Jahre davon lebte er als Drogensüchtiger. Und er ist stolz darauf, dass er dieser Hölle entkommen konnte. Børge aus den Olsenbandenfilmen. So kennen ihn die meisten Dänen. Der Junge mit der schmächtigen Statur und den daumendicken Brillengläsern. Der Lausbube mit den langen Haaren und den kurzen Dialogen.

Jes Holtsø hat vier Jahre lang hier im Tomsgårdsvej gewohnt, ein verrufenes Viertel im nordwestlichen Kopenhagen. Letztes Jahr gab es in der Gegend zwei bisher unaufgeklärte Morde an Drogensüchtigen.

Das Dach der Wohnung ist undicht und der Gasofen ist gerade zur Wartung an diesem Donnerstag im März, wo draußen der Schnee fällt und einen schönen Kontrast zu den ergrauten Backsteinfassaden der Großstadthäuser bildet. Die Kanarienvögel piepen im Käfig und die Katze hat ihren Kratzbaum in der Mitte des Wohnzimmers verlassen, um sich unter der Bettdecke im Schlafzimmer zu verstecken, wo ein Plakat mit Jimi Hendrix die Wand schmückt.

Im Wohnzimmer hängen die surrealistischen Aquarelle, die Jes Holtsø vor vielen Jahren gemalt hat. Vorbild ist natürlich Salvador Dali selbst. Eines von Holtsøs Motiven ist ein brennendes Gesicht, welches aus einem Berg auftaucht. Das hat er damals gemalt, als er noch LSD nahm.

Die Bande auf Speed
Jes Holtsø muss diesen Nachmittag auf Arbeit. Er hat einen Job zur Rehabilitierung in der Linie 14 in der Blågårdsgade. Das ist ein Aufenthaltsort für ehemalige Drogenabhängige und er weiß wie das ist. Als Siebenjähriger begann er mit dem Rauchen von Zigaretten. Als er 11-12 Jahre alt war und in den Olsenbandenfilmen als Børge mitspielte, hatte er bereits damit begonnen Haschisch zu rauchen und Speed-Tabletten zu nehmen. Das Fundament für eine Karriere als Drogensüchtiger war geschaffen. Wenn er in der Nacht bis um vier unterwegs war, nahm er Speed, dann war er “frisch” um am Morgen mit Ove Sprogøe, Morten Grunwald und Poul Bundgaard zu drehen.

1970 verkehrte Jes Holtsø in Hippiekreisen und da war er noch ganz jung. Im “Huset i Magstræde” (Wörtlich “Das Haus in der Magstræde”. War ein Treffpunkt für Hippies und Gründungsstätte u.a. für den Freistaat Christiania. Anm. Übersetzer) wurde er ein beliebtes Maskottchen. So wie er es auch bei Nordisk Film wurde.

“Ich hatte mich schon immer für dieses Milieu interessiert, wo man Haschisch rauchte und Narkotika einnahm. Das zog mich an und so langsam aber sicher haben sich bei mir einige Grenzen verschoben. Das passierte unmerklich. Wie der kleine Zeiger, der sich bei einer Uhr bewegt und plötzlich ist eine Stunde vergangen”, sagt Jes Holtsø. Er wurde drogensüchtig.

“Aber ich habe das selbst nicht so empfunden. Nicht damals. Natürlich wurde da sehr deutlich eine Grenze überschritten, als ich mir das erste Mal eine Nadel in den Arm gestochen habe. Heute weiß ich, dass ich ein Drogensüchtiger und Alkoholiker bin. Ich betrachte das als eine Krankheit”, erzählt er.

1990 war er in einer ganz schön brenzlichen Situation, er experimentierte mit LSD und war dabei den Verstand zu verlieren. Er war auf Heroin und es war bei gründlich schief zu gehen. “Glücklicherweise kam ich zum Entgiften nach Egeborg auf Lolland. Ich habe wirklich alles mitgenommen als Drogensüchtiger. 14 Jahre lang. Wäre ich nicht in Behandlung gekommen, würde ich hier heute nicht sitzen. Dann wäre ich tot”, sagt Jes Holtsø.

Einen Rückfall fürchtet er eigentlich nicht, aber er ist in mehreren Selbsthilfegruppen für ehemalige Drogensüchtige und Alkoholiker.

Jes Holtsø hat Nicolas Winding Refns Film Pusher gesehen und ist sehr beeindruckt. “Dieser Film ist hervorragend. Das ist einer der besten, der seit langem gemacht wurde. Der kommt sehr nah dran 100 Prozent realistisch zu sein. Der zeigt sehr realitätsnah, wie es im Drogenmilieu vor sich geht mit Liquidierungen oder Prügel, wenn man Geld schuldet.”

Als Jes Holtsø drogenabhängig war, schuldete er einmal 15.000-20.000 Kronen (ca. 2000-2700 Euro). “Ich habe Prügel bekommen, aber in Lebensgefahr war ich nie. Wie gefährlich es ist, Geld zu schulden, kommt darauf an, wem man in dem Milieu Geld schuldet. Ist es auf der untersten Ebene, dann ist es nicht so schlimm”, sagt Jes Holtsø. Er hat viele seiner Freunde zu Grund gehen sehen, viele sind tot. Ab und zu trifft er einen im Rollstuhl, wenn er in den Tomsgaardsvej geht.

Viele Jahre lang hat Holtsøs Alltag gut funktioniert, selbst als er auf Heroin war. Er kam seiner Arbeit nach, unter anderem als Roadie für verschiedene Bands, aber seine Ausbildung als Aufnahmeleiter bei Nordisk Film schmiss er hin. Später verlor er auch seine Arbeit als Roadie und wurde in der Branche boykottiert, weil er wiederholt nicht auftauchte. Er dachte nur an eine Sache und die war, wie er Stoff bekommen kann, um runterzukommen.

Beklaute einen Schweden
“Für mich drehte sich jeder Tag darum 400-500 Kronen (ca. 54-67 Euro) zu beschaffen, um an mein Heroin zu kommen. Das war das erste, an das ich dachte, wenn ich am Nachmittag aufgewacht bin. Erst wenn ich das Geld zusammen hatte, dachte ich an andere Sachen, wie zum Beispiel Essen.”

Er selbst hat nie Gewalt ausgeübt oder Raubüberfälle begangen, um Geld für Drogen zu beschaffen. “Das schlimmste, wo ich mitgemacht habe, war einen betrunkenen Schweden zu beklauen. Er war groß, aber ich sprang auf seinen Rücken, während mein Kamerad ihm ein Bein stellte und seine Brieftasche nahm, als er auf dem Boden lag”, erzählt er.

Jes Holtsø beschaffte vor allem Geld durch den Diebstahl in den Supermärkten der Stadt. Seine Spezialität war es Rindfleisch zu klauen, das er leicht bei diversen Hehlern absetzen konnte. “Aber ich wurde auch 14-15 Mal erwischt und kam auch ins Gefängnis. Ich bekam ja Geldstrafen und die konnte ich nicht bezahlen”, sagt Jes Holtsø, der froh ist kein “Fleisch-Pusher” mehr zu sein.

Seine Eltern sind tot, aber heute ist er wieder mit seiner Schwester und ihrer Familie in Kontakt. Das Vertrauen ist wiederhergestellt. Er wohnt alleine in seiner Wohnung und hat keine Freundin. Er hat einen Sohn, den er zuletzt gesehen hat, als der Junge zweieinhalb Jahre alt war. Heute ist der Sohn 20 Jahre alt und studiert EDV.

“Damals versuchte ich, wie ein Vater zu sein. Aber ich konnte darin nicht aufgehen und ich habe es auch mit seiner Mutter nicht ausgehalten. Heute würde ich mich gern mit ihm treffen. Aber das ist seine Entscheidung”, sagt Jes Holtsø.

In dem kommenden Olsenbandenfilm, der im Volksmund auch “Die Olsenbande im Pflegeheim” genannt wird, spielt Jes Holtsø erneut Børge. Aber nicht so wie wir ihn kennen. Børge kehrt als stinkreicher Mann aus dem Ausland zurück und vereinigt sich wieder mit seinem Vater, Kjeld, gespielt von Poul Bundgaard.

“Ich werde schick eingekleidet und trage eine coole Brille und dann besuche ich meinen Vater, der ins Pflegeheim gekommen ist”, sagt Jes Holtsø. Im Film ist Egon, also Ove Sprogøe, in einer psychiatrischen Abteilung untergebracht, während Benny in Morten Grunwalds Gestalt Taxi fährt.

“Das ist sehr spannend. Nordisk Film hat versucht, das gesamte alte Filmteam zusammen zu bekommen. Das war damals eine besondere Stimmung, als wir die Filme produziert haben und ich denke, dass man das nochmal wiederholen kann”, glaubt er.

Er war gerade zur Kostümprobe für den Film, der in den Risbystudios aufgenommen werden soll. In Valby gibt es keinen Platz, da produziert Nordisk Film gerade Lykkehjulet (Fernsehshow “Glücksrad”, Anm. Übersetzer) und andere Fernsehsendungen. Die Dreharbeiten beginnen in wenigen Wochen und der allerletzte Streich feiert im Dezember Premiere.

“Ich würde gern noch ein paar weitere Filmrollen machen. Aber ich habe nie große Zukunftspläne gemacht. Aber ich habe mein Leben wieder im Griff. Das ist das wichtigste.”

Bildunterschrift:

Jes Holtsø ist geschmeichelt und stolz darauf, dass es auf der Insel Fünen einen Børge-Klub gibt, wo sich die Mitglieder treffen, Olsenbandenfilme sehen und seine Dialoge auswendig können.





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