Start › Presse › Ekstra Bladet, 2004-09-15 (Ove Sprogøe, Beil. S. 6-7)
::2004-09-15 Ekstra Bladet (Ove Sprogøe)::
::Beilage Seite 6-7::

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Deutsche Übersetzung von Guido (FranzJägerBerlin):

Ove war meine Familie

Erik Balling arbeitete nicht nur 50 Jahre mit Ove Sprogøe – die zwei und ihre Frauen lebten wie eine kleine Familie

Es ist ein bewegter, aber realistischer Erik Balling, der Schöpfer u. a. von Matador, Die Olsenbande und Oh, diese Mieter, der in seinem gemütlichen Wohnzimmer im Garderhøjvej in Gentofte sitzt und seines großen Freundes, Ove Sprogøe, und dessen Frau, Eva, der vor nur drei Wochen nach schwerer Krankheit verstorben ist, gedenkt. Vor etwa 50 Jahren kamen die zwei Männer aus Fünen zu Nordisk Film nach Valby. Balling war Assistent oder, wie er es nennt, Bierholer, und Sprogøe spielte einen nervösen, fünischen Bäckergesellen, der in dem Film „Diskret ophold“ (Diskreter Aufenthalt) Vater werden sollte. Und so geschah es. „Ich wollte nichts tun, ohne das Ove dabei war“, sagt Erik Balling. Balling, der bald 80 wird und Nordisk Film verlassen hat, wo er Alleinherrscher, was die Filmproduktion und Verwaltung betraf, war.

Er hatte nie ein Auto
Er ist immer noch eng mit Bo Christensen, dem früheren Verwaltungsdirektor von Nordisk Film, der jetzt bei Sandrew Metronome arbeitet, verbunden. Bo Christensen ist zu Besuch bei seinem Freund und eine Anekdote über Ove Sprogøe löst die andere ab. „Wir wurden Freunde und lebten gleichsam in einer kleinen Gemeinschaft mit unseren Frauen. Ove hatte keinen Führerschein und kein Auto, so verreisten wir zusammen in den Ferien ins Ausland, wo wir viele Späße machten. Wenn wir ausgingen und abends aßen, spielten Ove und ich Gott in Frankreich und es gelang ausgezeichnet. Sonntags holten meine Frau und ich sie oft am Tømmerup Stationsvej in Tårnby ab, wo sie ihr ganzes Leben im selben Haus wohnten. Es lag nahe an den Landebahnen des Flughafens. Es störte sie nicht. Viele Sonntagsausflüge gingen ins Louisiana in Humlebæk, für Ove war es künstlerisch ungeheuer interessant. Er hatte wirklich einen Riecher für moderne Kunst. Sein ganzes Leben lang kaufte er Kunst und es muss ein Vermögen gewesen sein, er tapezierte sozusagen seine Wände damit.

Sehr schwer allein aufzuwachen
Er und Eva hatten zusammen ein überaus herausragendes Leben und das spürte er, als sie vor knapp einem Monat starb. Das hat man ja auch früher schon gesehen, dass, wenn der eine in einer glücklichen, langen Ehe stirbt, dauert es nicht lange, und der andere gibt auch auf. Es wundert mich nicht, dass, wenn man so eng zusammen lebt, wie die zwei es taten, und man es gewöhnt ist, an jedem einzelnen Morgen eines Menschenalters gemeinsam zu erwachen, es dann sehr schwer ist, alleine zu wach zu werden.
War ihr Zusammenleben anders, als das anderer Eheleute?
„Sie lasen sich ihr ganzes Leben lang aus der Weltliteratur vor!“ „Denk nur, sie wollten keinen Fernseher, dafür lasen sie sich Tolstoi vor und erlebten gemeinsam die grosse Kunst und diskutierten bis in alle Ewigkeit.“ Es war eine unglaubliche eheliche Gemeinschaft auf einer höheren Ebene.

Er wollte Schaffen
„Was unterschied ihn von anderen Schauspielern?“
„Er wollte die ganze Zeit etwas schaffen und er sagte nie nein. Und so wollte er nie Stuntmen haben. Er hasste es, dass jemand etwas an seiner Statt tun sollte. Er begründete es damit, dass er noch etwas besonderes herauskriegen wollte, dadurch dass er es selbst tat, ungeachtet wie gefährlich es war.“ „Ove sagte nie nein zu einer Rolle. Er drehte früh am Morgen und vormittags und war dann nachmittags und abends am Theater. Er arbeitete immer.“
„Verschliss ihn das nicht?“
„Nein, seine Arbeit gab ihm Kraft und ich habe ihn nur mit Freude und Begeisterung arbeiten sehen, und wenn es so ist, nutzt man sich nicht ab.“
„Und er rauchte und trank nicht?“
„Er rauchte nicht, aber ein gutes Glas Wein mochte er gerne. Und er liebte gutes Essen in guten Restaurants. Dann fuhr er das ganze Jahr mit dem Rad von Tårnby nach Kopenhagen hinein, und das tut einer guten Gesundheit wohl.
„Ihr wart in vieler Art verschieden, habt ihr nie gestritten?“
„Ein paarmal rangen wir, ja. Aber das gehört dazu, dafür haben wir nicht nur zusammen gearbeitet, sondern auch zusammen gelebt.“ „Er hatte Temperament. Er konnte sich erheben und seine Augen leuchteten. Er war ja ein Mann. Ein richtiger Mann.“

von Karen Thisted
Foto: Claus Lunde


Text rechte Spalte von oben nach unten

Über Ove
Erik Balling: „In einem Olsenbandefilm sollte Egon in Zement gegossen und auf dem Grund des Hafens versenkt werden. Henning Bahs und ich hatten entschieden, dass das eine Puppe machen sollte. Dafür, es Ove Sprogøe tun zu lassen, war es zu gefährlich. Aber er wollte es selbst und setzte alles daran. Wenn er es getan hätte, wäre er erschlagen worden. „Vielleicht wäre etwas besonderes dabei herausgekommen, wenn ich es selbst getan hätte“, sagte er weiterhin, aber ich habe mich nicht drauf eingelassen. Obendrein war er wasserscheu und konnte nicht schwimmen. „Als der Tag anbrach und die Egon-Figur fallengelassen wurde, blieb sie auf dem Wasser stehen und der ganze Kran aus Eisen stürzte auf den Kopf der Puppe. Das hätte verhängnisvoll werden können.“

Über Ove
Erik Balling: Wenn wir filmten, kam er jeden Morgen mit dem Fahrrad zu Nordisk Film am Mosedalsvej in Valby, und hatte hinten auf dem Rad eine Kiste, und in der Kiste hatte er eine Packung frischgebackene Brunsviger*), immer vom selben Bäcker, und die waren für die ganze Mannschaft. „Man wurde so fettig von all dem braunen Zucker, damit das Manuskript nicht verdorben wurde, aß ich meine mit Messer und Gabel. Alle aus der Mannschaft freuten sich darauf, dass Ove durchs Tor kam“

Über Ove
Bo Christensen: (Verwaltungsdirektor, der zeitlebens die Verträge zwischen Ove Sprogøe und Nordisk Film aushandelte): „Es war einzigartig mit ihm zu verhandeln, er war nicht der fordernde Typ. Er war nur jedesmal dankbar, wenn ich ihm einen Vertrag vorlegte. In den Olsenbandefilmen sollten sie alle das gleiche Honorar haben, so profitierte er davon, dass Morton Grunwald in dieser Sache nicht so schlecht war.“ Danke, sagte er. Er war kein gieriger Mann. Erik Balling: Nein, er war glücklich dabei zu sein.“

Bildbeschreibungen
das große Erik Balling Bild
Erik Balling in seinem Wohnzimmer in seinem Heim in Gentofte, wo er so manche heitere Stunde mit Ove Sprogøe verbrachte.

das Bild im Bild
Und hier stehen sie. Die zwei alten Kämpfer des dänischen Films.

das Bild ganz unten
Erik Balling und Bo Christensen. Wenn die zwei etwas zusammen machten, bewegten sie Dänemark.

*) Brunsviger – dünner Kuchenteig so dick mit braunem Zucker bestreut, dass es schon fast widerlich süss ist; sehr beliebt zu Kindergeburtstagen

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