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::2004-09-15 Ekstra Bladet (Ove Sprogøe)::
::Beilage Seite 8-9::

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Deutsche Übersetzung von Guido (FranzJägerBerlin):

Ein ergebener Engel

Text oben links
„Das Ove tot ist, ist ein sehr, sehr grosser Verlust eines unbegreiflichen Künstlers. Einer der meist umarmten, die Dänemark erlebt hat. Er beherrschte alle Rollen und alle Genres von Avantgarde bis Komödie“, sagt der Regisseur Ole Bornedal, der Ove Sprogøe kennenlernte, als sie zusammen die Fernsehserie „Charlot og Charlotte“ (Charlot und Charlotte) machten. „Als wir filmten, erlebte ich Ove als einen Engel – die Mädchen (Helle Dolleris und Ellen Hillingsø) waren fast ein bisschen verliebt in ihn. Die Erinnerungen überstürzten sich, als ich hörte, dass er tot war. Ich setzte mich und heulte. Ein Profi durch und durch, bewundert und ein unglaublich demütiger Mensch.“ amgr

Bild unter dem Text
Ellen Hillingsø spielte das Oberklassenmiststück im Roadmovie „Charlot und Charlotte“. (Foto: Claus Lunde)

Eine grosse Ehre mit Ove zu spielen
Die Schauspielerin Ellen Hillingsø, aktuell gerade im Kino in ihrer ersten richtig grossen Hauptrolle, in einem Film der Jytte Rex-Film „Silkevejen“ (Die Seidenstrasse), erlebte Ove Sprogøe als einen warmen und herzlichen Menschen, als sie gemeinsam in der Fernsehserie „Charlot og Charlotte“ spielten. „Es war eine riesige Ehre mit einem der ganz grossen Giganten des dänischen Films gemeinsam zu spielen. Ein wunderbares Erlebnis und Ove Sprogøe war mir und Helle Dolleris gegenüber super nett. Er muss einer der Menschen sein, der die meisten Filme der Welt gedreht hat“, sagt Ellen Hillingsø.
kk


Text rechts oben
Eine seltsame Welt ohne Ove
Sprogøe wusste alles über das Kulturleben – einschliesslich Springsteen-Konzerten

„Nachdem ich von Oves Tod gehört habe, bin ich umher gelaufen und habe gezittert. Es ist sehr merkwürdig sich vorzustellen, dass die Welt sich künftig ohne Ove drehen soll. Für mich wurde sie ärmer. Das er jetzt tot ist, kommt nicht überraschend, nicht, nachdem Eva vor drei Wochen starb. Eva war fast eine Lebensnotwendigkeit für Ove“, sagt der Schauspieler Flemming Jensen, über knapp 20 Jahre einer von Oves engsten Freunden.
„Die Freundschaft begann, als wir ein paar Tivoli-Revuen zusammen machten und die nächsten 15 Jahre haben meine Frau und ich gemeinsam mit Ove und Eva in ihrem Haus auf Amager Weihnachten gefeiert. Es war Tradition, dass wir am Nachmittag auftauchten und für ein paar Stunden blieben, in denen nur wir vier alleine miteinander redeten.“
„Ove und Eva haben ja nie einen Fernseher gehabt. Deshalb war er immer sehr viel besser orientiert über das, was sich in der Welt und im Kulturleben tat, als wir anderen. Er verfolgte das sehr viel besser, als ich es tat, z. B. was die Musik angeht. Er ging z. B. zum Springsteenkonzert im Parken*), aber ohne eine grosse Sache daraus zu machen. Ove war so individuell – er war gerne ein ganz normaler Mensch.“
„Aber gleichzeitig war er auch sehr wissend, ehrlich und anständig. Und liebenswert. Nur einmal habe ich ihn jemandem einen Anschiss verpassen hören. Und das war so berechtigt und treffend, dass ich mich dazu entschlossen habe, aus dem Land zu flüchten, wenn ich jemals von ihm so einen Rüffel bekommen würde.“
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das Bild rechts daneben
Der Schauspieler Flemming Jensen wäre aus dem Land geflüchtet, wenn er einen Anschiss von Sprogøe bekommen hätte. (Foto: Ole Steen)

das linke Bild unter dem Beitrag
Lykke Nielsen hat sich, nach Freund Oves Tod, mit ihrem Mann, Jesper Klein, eine Träne verkniffen. (Foto: Ole Steen)

Text unter diesem Foto
Immer auf den Barrikaden
„Hätte er die Kraft gehabt, wäre Ove gegen den Krieg im Irak auf die Barrikaden gegangen. Davon bin ich überzeugt. Er ist immer aufgestanden im Kampf für die Schwachen und im Kampf für den Frieden. Jesper und er sind unzählige Male gemeinsam nach vorn auf die Barrikaden gegangen, z. B. Christiansborg**)“, sagt Lykke Nielsen.
Die Freundschaft des Schauspieler- und Autorenpaares, Lykke Nielsen und Jesper Klein, mit Ove Sprogøe reicht Jahrzehnte zurück. Sowohl ihrer Arbeit, dem politischen Engagement, als auch der gemeinsamen Adresse auf der Insel Amager wegen.

Verdammt, wir kamen nicht
„Wir haben uns eine Träne verkniffen über Oves Tod und dachten: ‚Verdammt, wir waren im letzten Jahr nicht bei ihm draussen.‘ Aber er war ja geschwächt und hatte selbst entschieden, sich zurückzuziehen und dann zweifelt man, ob es recht ist vorbeizuschauen ...
„Wir hatten wirklich viele gute Essen gemeinsam. Ove war verrückt nach gutem Essen – so wie es Eva zubereitete, aber er kaufte dafür ein. Ich traf ihn oft beim Fischhändler.“
„Ove war immer nett, hilfsbereit und ergiebig. Als Kollege und als Mensch. Aber obwohl wir viel Zeit miteinander verbrachten, auch privat, war Ove keiner, mit dem man über Gefühle sprach. Er wechselte dann das Thema und erzählte eine Anekdote. Nicht, dass er keine Gefühle hatte – er war nur ein Mensch, der nicht darüber sprach.“
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Bild rechts neben Lykke Nielsen
„Sprogøe füllte fantastisch viel aus und konnte eine Rolle echt spielen. Das ist eine sehr schwierige und grosse Kunst. Wir glaubten ihm die Figur, die er schuf. Er war Perfektionist und war dann in diesem Maß Schauspieler und mochte nicht Ove Sprogøe sein. Dann wollte er anonym sein“, sagt Møllehave. (Foto: Martin Zaroka)

Text unter dem Bild
Ein sehr privater Mensch
Einzig in seiner Art. Ein Perfektionist. Und ein sehr individueller Mensch. So klingt ein Teil der Charakterisierung, die der Dichterpfarrer Johannes Møllehave mit Ove Sprogøe verbindet.
Als Dichter schrieb er über mehr als 35 Jahre zahlreiche Texte für Sprogøe. Und wie ein Pfarrer kann er die Trauer in Worte fassen, wie er den Schauspieler traf, als der vor über drei Wochen seine Ehefrau Eva verlor.
„Das hatte bestimmt etwas bedeutet. So ist es oft in Ehen, die so lange gedauert haben. Das sieht man oft, dass besonders Männer gefährdet sind.“

Man verliert eine Ader
„Das hast du vorhergesehen?“
„Ja, sicher doch. Ich glaube, man verliert die Lebenslust und dann kannst du dich fragen, wie das passieren kann. Das kannst du u. a. durch Trauer tun.“
„Das kann in dem Augenblick passieren, wo man sich nicht länger darauf freut, an einem neuen Tag aufzustehen. Wenn die Leistungsfähigkeit zurückgeht, die Kinder und jüngere Menschen haben, hört es auf. Wenn man denkt, jetzt hat man nichts mehr.
„Das ist irgendwie, als wenn man einen Teil von sich selbst verliert – als ob der Tod des anderen bedeutet, dass man eine Ader von sich verliert.“

Nett schreiben
„Und das kann hier der Fall sein?“
„Ja, sicher“, sagt Johannes Møllehave, der beide kannte und früher regelmässig bei ihnen zu Hause war – u. a. um seine Texte zu überbringen.
„Das ist doch schon gesagt worden, dass wir einander privat kannten. Hier war er sehr vorsichtig, es war nicht so etwas mit Essen und diesen Sachen.“
„Die letzten Jahre ist er oft so nett gewesen auch zwischendurch mal Briefe zu schicken, weil er einen Feuilleton oder ein Buch gelesen hatte, das ihn freute.“
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Bildbeschreibung unten rechts für das grosse Foto – Ove im Rapsfeld
Ein unbegreiflicher Künstler
Ove Sprogøe war ein Engel, beim Film und als Mensch, als er mit grossen Namen der jungen Generation des dänischen Films und Theaters in „Charlot og Charlotte“ zusammenarbeitete. (Foto: Rolf Konow)

Bildbeschreibung Bild im Bild oben rechts
Ove Sprogøe meisterte alle Rollen, meint Ole Bornedal (Foto: Thomas Wilmann)

*) Parken – ist das Heimstadion des F.C København; Øster Allé 50; 2100 København Ø
In Kopenhagen gibts 4 Fussballclubs: 1.) F.C Kopenhagen – Parken; 2.) Brøndby I.F – Brøndby-Stadion; 3.) AB, Akademisk Boldklub – Gladsaxe-Stadion; 4.) Lyngby F.C – Lyngby-Stadion
**) Christiansborg – hat zufällig jemand eine Ahnung, worum es dabei ging?

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