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Start Presse Aalborg Stiftstidende, 1996-11-02 (Erik Balling)
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::Aalborg Stiftstidende, 1996-11-02 (Erik Balling)::
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Deutsche Übersetzung von Paul Wenzel:


(Mit freundlicher Erlaubnis durch Nordjyske Medier.)
Balling und der Eisbär

Nordisk Film feiert am Mittwoch 90. Geburtstag. Der frühere Direktor, Erik Balling, war davon 50 Jahre lang mit dabei und stellt fest, dass der Eisbär auf dem Globus nichts von seiner Rüstigkeit eingebüßt hat.

Von John Lautrup

Kopenhagen: Während die jungen Menschen um ihn herum Vollkornbrötchen und gesunde Salate der Kantine verspeisen, sitzt Erik Balling an seinem Stammtisch mit einer Platte gutem alten Smørrebrød (Aufwendig belegte Brotscheiben, Anm. Übersetzer). Von seinem Ecktisch aus kann der alte Meister das Kantinengewimmel überblicken, das dem Hauptbahnhof zur Feierabendzeit gleicht. Die Kantine von Nordisk Film trägt nicht ohne Grund den Namen Café Kaos.

Hier hat der bald 72-jährige Erik Balling immer sein Mittagessen verzehrt, in den gesamten 50 Jahren, in denen er ein Teil des roten Holzbaracken-Idylls draußen in Valby war. 1946 kam er zu Nordisk Film und damals wie heute genießt er das Chaos in der Kantine.

Ohne dem könnte die Filmgesellschaft kaum am Mittwoch ihren 90. Geburtstag feiern.

“Eine Kantine ist eine geniale Sache. Hier kann man sich ungezwungen über die Dinge unterhalten und vielleicht einige Probleme lösen. Ich verstehe nicht, wie einige es schaffen Filme zu produzieren, ohne eine Kantine zu haben”, sagt Erik Balling und nimmt einen Bissen von seiner Schnitte mit mariniertem Hering.

Er erzählt, dass das Café Kaos den Ruf hat, eines der besten Wirtshäuser der Stadt zu sein und das damals Schauspieler hierher pilgerten, auch wenn sie gar keinen Job bei Nordisk Film hatten.

In alten Zeiten...
Man sollte nicht zu Erik Balling gehen, wenn man sehnsuchtsvolle Berichte über den Glanz der Vergangenheit und haufenweise Flüche gegen die Neuzeit hören möchte. Der Zahn der Zeit hat nicht an dem besonderen Geist genagt, dem der junge und filmbegeisterte Tiermedizinstudent 1946 begegnet ist, als er eine Vertretungsstelle als Regieassistent bei Nordisk Film annahm.

Lebenswichtige Filme
“Ich sehe da draußen immer noch viel beschäftigte Leute über den Platz laufen. Leute, die leidenschaftlich in ihrer Arbeit aufgehen. Man kann keinen Film machen, wenn er nicht lebenswichtig für einen selbst ist. Und diese Ansicht finde ich hier draußen immer noch unter den Angestellten”, sagt Erik Balling.

“Die jungen Leute wurden von dieser Einstellung geprägt, ebenso dass man sich selbst nicht so verdammt wichtig nimmt. Ich mag Leute mit Humor und den haben zum Glück viele von den jungen. Man sollte seine Arbeit ernst nehmen, aber man muss sie auch nicht so ernst”, ergänzt er.

Auch wenn Nordisk Film eine betagte Dame ist, so ist sich Erik Balling sicher, dass sie noch viele und kraftvolle Jahre vor sich hat.

“Die Gesellschaft hat sich jetzt 90 Jahre lang gehalten, es wäre also merkwürdig, wenn sie nicht auch den 100. und 110. Geburtstag feiern könnte. Es ist immer noch ein spaßiges und kreatives Umfeld, wo die Funken sprühen...

Nicht zuletzt, weil wir eine gute Kantine haben. Das sollte man nicht unterschätzen. Wenn wir zwei uns über einem Schreibtisch hinweg unterhalten hätten, dann wäre das wohl etwas ganz anderes geworden, nicht wahr?”, stellt der pensionierte Filmemacher mit einem Lächeln fest und nimmt sich ein Stück mit Braten und Rotkohl von der Smørrebrød-Platte.

Zwar ist Erik Balling von seinen täglichen Pflichten und Verantwortungen bei Nordisk Film freigestellt, aber er hat immer noch sein eigenes Büro und kommt fast täglich her.

“Wie meine Frau sagt: Das ist mein zweites Zuhause.”

Balling und Bahs
Erik Balling reicht es nicht, sich nur an seinen Stammtisch zu setzen und den Lauf des Lebens in der Barackenstadt zu beobachten. Er und sein Spielkamerad, Henning Bahs, schreiben gerade neue Filmdrehbücher, die vielleicht - vielleicht auch nicht - im Laufe eines Jahres realisiert werden.

Balling und Bahs waren während der 13 Olsenbandenfilme ein unzertrennliches Team. Zuletzt haben sie den Entwurf geschrieben für Dänemarks teuerste Fernsehserie “Bryggeren” (Wörtlich übersetzt “Der Brauer”, Anm. Übersetzer), über Carlsbergs Gründer J. C. Jacobsen.

“Wir arbeiten mit einem Katalog alter Ideen, die niemals verwirklicht wurden. Jetzt holen wir sie wieder hervor und untersuchen, ob man sie heute verwenden kann. Es gibt so viele Ideen auf der Welt und sie ähneln sich alle. Es ist nur die Frage wann und unter welchen Umständen sie realisiert werden können”, erklärt Erik Balling, der nicht noch einmal als Regisseur aktiv werden möchte.

Er bleibt bei seiner Schreibmaschine. Und beim Komödien-Genre. Er möchte nicht so recht verraten, an was er und Bahs da gerade brauen, aber er sagt dann doch, dass es zum Sitcom-Genre gehört, was also im Klartext Situationskomik bedeutet.

“Die Geschichte kann sowohl für Film als auch Fernsehen verwendet werden. Das kommt darauf an, wie man es aufteilt. Eine Geschichte ist eine Geschichte”, sagt Erik Balling, der kein Problem mit der oft kritisierten Jagd der Fernsehsender nach Zuschauerzahlen hat.

“Die Qualität der Fernsehunterhaltung ist schlechter geworden. Aber das ist fast unvermeidlich, nachdem mehr und mehr Fernsehsender hinzukamen. Dann muss das Angebot wieder ausgedünnt werden. Die Zuschauer müssen sich entscheiden und ich habe nichts dagegen, dass so viel an den Zuschauerzahlen hängt. Wenn jemand etwas Geniales macht, was keiner sehen möchte, dann kann es ja egal sein.

Ein skeptischer Vater
Als Pfarrerssohn und Tiermedizinstudent war der Werdegang für Erik Balling zu Beginn der 40er Jahre festgelegt. Die Mund- und Klauenseuche war aber kein Thema, das ihn in seinem Studierzimmer am meisten beschäftigte. Sein bester Freund war Schauspieler Bjørn Watt-Boolsen und sie nutzten die Zeit lieber, um sich über Film und Theater zu unterhalten. Balling schrieb stapelweise Theaterstücke, die sein Freund vergeblich versuchte Theaterhäusern anzubieten. Aber Ballings Eifer blieb nicht unbemerkt und 1946 fragte Nordisk Film, ob eine Vertretungsstelle als Regieassistent nicht etwas für ihn wäre.

“Das war sie und so blieb ich da hängen”, sagt Erik Balling und erzählt, dass sein Vater von dem Berufswechsel nicht sehr begeistert war.

“Ich brauchte ja einen Studienkredit, um von etwas zu leben und mein Vater bürgte dafür. Zu Beginn bekam ich dort nämlich keinen Lohn. Aber als es Anfing für mich gut zu laufen, hatte mein Vater kein Problem mehr damit. Diese Skepsis gibt es wohl immer, wenn die Kinder etwas anderes machen, als die Eltern sich das vorgestellt haben. Ich sehe das einfach als einen Ausdruck für ein gutes Familienleben, wo man sich nicht egal ist.”

Erik Ballings eigenes Familienleben umfasst die Ehefrau Christa, mit der er in drei Jahren goldene Hochzeit feiern kann. Und einen Wurf Enkelkinder, die seine liebsten Gäste sind, bei ihm Zuhause im Garderhøjvej in Gentofte. Wenn sie zu Besuch sind, sucht Großvater nach Aufforderung die Videokassetten mit der Olsenbande, Die Leute von Korsbæk (Matador) und Oh, diese Mieter! heraus.

Die jungen lieben es diese drei Höhepunkte seiner Karriere wieder und wieder zu sehen.

Theaterbesucher
Er selbst hat damit aufgehört, der Entwicklung an der Filmfront besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Er geht lieber ins Theater.

“Im Theater sieht man all das, was morgen als Film umgesetzt wird. Man sieht, auf welchem Stand die Regisseure und Schauspieler sind und ich muss sagen, dass die Schauspieler ein richtig gutes Niveau halten”, stellt der Mann fest, der gegenüber den Schauspielern als ein liebenswerter Brummbär bekannt war.

Die Olsenbandenfilme lebten vor allem durch die verrückten Spezialeffekte, die er und Henning Bahs sich ausdachten. Oft waren es Storm P-artige mechanische Erfindungen, die einen modernen Hollywood-Regisseur wohl laut lachen lassen würden (Storm P. war durch seine gleichnamigen Comiczeichnungen mit verrückten Erfindungen bekannt. Anm. Übersetzer). Aber Erik Balling beneidet seine jüngeren Kollegen nicht, die heutzutage am Computerbildschirm lebensechte Dinosaurier und eine realistische Invasion auf dem Mars erschaffen können.

“Der Film kann auch in der Vielfalt der Möglichkeiten untergehen. Ich habe die Computer nicht vermisst. Ich glaube nicht, dass der Beruf als Filmregisseur damit unbedingt lustiger geworden ist”, sagt er.

Nee, Erik Balling vermisst nichts. Er hätte gern einen Film über Struensee und Caroline Mathilde gemacht, aber ansonsten ist nichts unerfüllt geblieben.

“Ich hatte 50 gute Jahre bei Nordisk Film. Das war mein Leben und ich hätte mir nichts anderes gewünscht. Ich habe mein Leben für das genutzt, worauf ich am meisten Lust hatte. Darüber kann man sich gewiss nicht beklagen”, sagt er mit seinem kleinen charakteristischen Lächeln, das niemals ganz zum Vorschein tritt.

Ein Arbeitsplatz
Das gleiche bescheidene Lächeln, welches in seinem Gesicht aufleuchtet, sobald er über seine glücklichsten Jahre in Valby erzählt.

Damals, als er im Sommer Olsenbandenfilme drehte und im Winter Matador. Damals, als er morgens um 5 Uhr aufstand, um eine Stunde vor allen anderen auf Arbeit zu sein. Damals, als er diese Morgenstunden genossen hat, während er mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Plundergebäck in der Hand durch das Filmset ging und überprüfte, ob alles in Ordnung war, bevor der Rest des Stabs anrückte.

“Einer nach dem anderen traf ein. Das Licht im Studio wurde eingeschalten und alles wurde zum Leben erwacht. Das ist eine einzigartige Atmosphäre, wie man sie wohl nur in einem Filmstudio finden kann. Ich habe das als eine prächtige und intensive Zeit in Erinnerung”, erzählt Erik Balling.

Er war bekannt für seine minutiösen Vorbereitungen und seinem geringen Verständnis für Schlendrian. Auch wenn sein Perfektionismus heute wie Poesie klingt, so bestand der Alltag aus harter Arbeit. Sowohl für ihn selbst, als auch für die Menschen, die er beschäftigte.

“Selbstverständlich! Nordisk Film ist kein Spielplatz. Das ist ein Arbeitsplatz”, brummt Balling ganz zufrieden.

Es sieht nicht so aus, als hätte die Arbeitsdisziplin seiner Pensionierung geschadet. Im Café Kaos wimmelt es nur so von jungen Mitarbeitern, die die Mittagspause schnell hinter sich bringen, um an dem Geschäft weiterzuarbeiten, das sowohl sie, als auch Balling als lebensnotwendig ansehen. Filmproduktion.

Bildunterschrift:

Erik Balling in einer der gemütlichen Ecken auf Nordisk Films Gelände in Valby. Auch wenn er schon pensioniert ist, kommt er immer noch täglich her. Foto: Annelise Fibæk





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