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Start Presse Aalborg Stiftstidende, 1998-01-04 (Axel Strøbye)
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::Aalborg Stiftstidende, 1998-01-04 (Axel Strøbye)::
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Deutsche Übersetzung von Heiko Ulbricht:


(Mit freundlicher Erlaubnis durch Nordjyske Medier.)
Ich wollte immer der Beste sein.

"Dänisches Theater ist uninteressant", sagt Axel Strøbye, der sich freiwillig ins Exil zurückgezogen hat.

Von Tommy Kaas

Axel Strøbye schenkt dem Fotografen reinen Wein ein. Er solle doch freundlicherweise Abstand halten und das Zoomen sein lassen. Nahaufnahmen sollte man hier nicht machen, wo "jeder nur einen Hohlraum sehen kann". Die Drohung, die Privatsphäre zu übertreten, ist im Gegenzug dazu auch das Einzige, was das (alte) Temperament ein wenig hervorblitzen lässt. Und es wundert ein wenig. Wo ist denn der Hitzkopf, die cholerische, gereizte und manchmal etwas verwirrte Figur, die Axel Strøbye so oft verkörpert hat? Von der man glaubt, sie aus einer Vielzahl von Filmen zu kennen - nicht zuletzt "Matador", "Olsenbande" und "Min søsters børn" (Die Kinder meiner Schwester).

Zumindest sitzt er nicht im braunen Samtsofa - in der palastartigen Villa am Ende eines ruhigen Weges in Charlottenlund. Hierhin hat sich Axel Strøbye ins freiwillige Exil zurückgezogen - wo er drauf wartet, ob sich der Schaffensdrang wiederfinden wird.

- Ich habe vieles probiert, denn es braucht einiges, die Interessen zu stimulieren, konstatiert der Schauspieler, der im Februar 70 Jahre alt wird.

In der Zwischenzeit, mit zunehmender Nachmittagsdunkelheit, lehnt sich Axel Strøbye, während er nach hinten schaut, entspannend aufs Sofa zurück. 47 Jahre ist es her, indem er seinen Vater übers Ohr haute, als er in aller Heimlichkeit an der Schauspielschule des Königlichen Theaters aufgenommen wurde. Ein Theater, zu dem er später ein eher angespanntes Verhältnis haben sollte - aber damals war das etwas absolut anderes als heute:

- Es war das Theater der ganzen Nation, eine verherrlichte Institution mit den größten, feinsten und besten Schauspielern im ganzen Land - u.a. Poul Reumert, Bodil Ibsen und Bodil Kjer. Da war keine solche Fluktuation aller möglichen Schauspieler, wie das heutzutage der Fall ist.

Aber als junger Schauspielschüler war Axel Strøbye ohnehin nur der "Kleine":
Es war ein Traumland für mich. Ich war fürchterlich fasziniert davon, ganz nah bei den Großen zu sein, aber es war sehr streng und ich war kurz vorm Nervenzusammenbruch in all den Jahren. Aber es war zumindest gut zu wissen, dass man zumindest gedanklich am Theater war, man stand quasi als kleinste Null noch unter der unbedeutendsten Putzfrau. Man schlich längs der Wände entlang, verneigte sich und sagte "Guten Tag" zu allem und jedem, den man den Tag über auf den Fluren traf und das rund um die Uhr. Selbst wenn man sich schon dreimal getroffen hatte, sagte man wieder "Guten Tag" und verneigte sich.

Heutzutage mag das absolut lächerlich erscheinen - aber es wurde faktisch eine dauerhafte Last mein ganzes Leben lang, dass da diese Disziplin existierte. Als Schauspieler managt man sich selbst - es gibt sonst keinen anderen, der dies tut - und da profitiert man von einer guten Disziplin. Und es führt auch zu Selbstrespekt.

Auf Schlingerkurs
Seit den Anfängen in den 1950igern ist Axel Strøbye in der Schauspielbranche unterwegs. Er spielte auf unzähligen Bühnen des Landes - davon wurden es allein 27 Jahre am Königlichen Theater - und hat in etwa 155 Filmen mitgewirkt. Er leitete Tourneeunternehmen und instruierte sie. Aber was da die eigentliche Karriere steuert, ist schwer zu sagen, fügt er hinzu.

- Mein sehnlichster Wunsch war es eigentlich immer nur, ein guter Schauspieler zu werden. Aber man ist als Schauspieler absolut abhängig davon, ob da auch das Telefon mit Angeboten klingelt und man sortieren konnte, wenn man angefragt wurde. Wenn nicht und man die Miete bezahlen musste, so musste man eben das nehmen, was verfügbar war. Das hatte immer etwas vom einem Schlingerkurs im Leben bzw. Dasein.

- Ich hatte mir immer das Ziel gesetzt, zu welcher Rolle ich auch immer dann schließlich Ja sagte, dann dazu auch immer den Wunsch gehabt, es wäre die beste Rolle. Ich würde selbst noch in der miesesten Rolle gut sein. Selbst wenn man einige Male glaubt, dass es nichts Besonderes ist, so geht es immer noch darum, etwas Besonderes daraus zu machen.

Seit ich die Schauspielschule verließ, hatte ich acht beschwerliche Jahre, wo ich meinen Lebensunterhalt mit einer Masse von Werbefilmen verdiente. Und ich erinnerte mich, dass ich zu irgendeinem Zeitpunkt einen Werbefilm für etwas Waschpulver machte. Es machte mir solch eine Mühe, etwas Witziges daraus zu fabrizieren, so dass mir Stig Lommer ein Engagement am Aveny-Theater anbot. Man hat immer etwas davon, wenn man sein Bestes gibt.

Das galt nicht zuletzt für viele der alten Volkskomödien, welche Axel Strøbye auf der Besetzungsliste hatten. Mehrere Jahre war er - neben seiner übrigen Arbeit - in fünf bis sechs Spielfilmen pro Jahr mit dabei.

- Wir wussten sehr gut, dass die Drehbücher nicht das Gelbe vom Ei waren, aber wir behandelten sie mit allem nötigen Respekt und schluderten nicht mit den Rollentexten. Wir setzten einfach darauf, etwas aus ihnen (den Dialogen) herauszuholen.

In Kürze kann man Axel Strøbye wiedersehen - als geschäftiger Rechtsanwalt in der Serie "Matador". Man kann nur Gutes über Lise Nørgaards Idee und Erik Ballings Regie sagen. Aber ein wichtiger Grund dafür, warum die Serie so anspruchsvoll gewesen war (und ist), ist nach Axel Strøbyes Meinung genau diese Disziplin, die sich während der Dreharbeiten ausbreitete.
Es begann in der Früh um 6 Uhr morgens und ging bis weit über 11-12 Stunden. Die Frauen saßen draußen mit Locken (und Lockenwicklern) und verrenkten sich die Köpfe. Es ist aber im Film nicht zu sehen, dass die Serie von einem schläfrigen Team gemacht wurde. Alle trafen ein, machten ihr Ding und genau das strahlen die Filme auch aus.

Heutzutage wurde "Disziplin" zu einem bösartigen Wort, es klingt nach Gleichschritt, Richtung und Klappe halten. Aber genau diese Disziplin, die man sich selbst auferlegt und sich selbst schult, ist absolut brauchbar.

Durchschlagskraft
Axel Strøbyes Vater wollte weder was hören noch darüber sprechen, dass der Sohn Schauspieler oder Kunstmaler werden wollte. Und so resultierte daraus zunächst eine Architektenausbildung. Zu guter Letzt war das Schauspiel dann doch das, was ihn im Leben am meisten erfüllen sollte. Aber das Heim in Charlottenlund prägte Axel Strøbyes Kunstinteresse und seinen Einsatz an der Staffelei. Er vergleicht zudem die kreative Arbeit beim Aufbau einer Rolle mit der Arbeit auf der Leinwand:

- Ein Maler sagt nicht: jetzt werde ich Picasso mit dem nächsten Bild aus dem Rennen werfen. Im Voraus kann man das weder bestimmen oder entscheiden. Man beginnt ja von unten mit der blanken Leinwand. Hat man dann die Fähigkeiten und das Talent dazu, kann sich etwas entwickeln.

Laut Axel Strøbye besteht die Kunst nun darin, eine Figur zu schaffen, eine Rolle, die heute weitestgehend verschwunden ist. Das hat für ihn das dänische Theater derart uninteressant gemacht, dass er nur noch sehr selten eine Vorstellung sieht.

- Ich denke nicht, dass die Schauspieler so kreativ wie damals sind. Sie gehen als sie selbst da hinein und legen los, lassen es geschehen. Sie "tratschen" etwas Schauspiel unter dem Vorwand bzw. der Ausrede vor, dass sie es ja "spielen" würden. Aber ich glaube nicht, dass da wirklich viel (Schau-)spiel dahinter steckt. Ein Dialog besteht ja nicht darin, dass man nur wechselseitig spricht, sondern dass da etwas zwischen den Figuren - ein gewisses Verhältnis bzw. eine Beziehung - existiert.

Ein Vorurteil, auf welches Axel Strøbye sehr häufig stößt, ist, dass er ungeachtet der Rolle selbst, sich immer selbst spielt:

- Ich habe viele Rollen und viele verschiedene Rollen gespielt und es wurde oft gesagt: "Na, das war ja genau die Rolle für Dich!" Aber als Schauspieler ist man das, was man ist. Man hat nur sich selbst, sich in die unterschiedlichsten Rollen einzubringen. Und selbstverständlich hat mein Gemüt solch eine Durchschlagskraft in den Rollen, die ich spiele, dass man es nicht vermeiden kann, trotzdem zu erkennen, dass ich es (selbst) bin. Aber das künstlerische Streben in meiner Zeit als Schauspieler bestand in jedem Fall darin, dass man sich mittendrin ein bisschen verwandeln konnte, soviel, wie unbedingt nötig war. So dass man nicht eine Wiederholung von dessen darstellt, was man vorher gemacht (gespielt) hat.

- Ich habe viele Rollen gespielt und ich glaube, nur deshalb konnte ich 47 Jahre davon leben, weil ich ausreichend differenziert und (ver-)wandlungsfähig war.

Lust auf neue Olsenbande
Eine einzelne Rolle, zu der Axel Strøbye große Lust hätte, zurückzukehren, ist die des Kriminalkommissars Jensen im Olsenbanden-Universum. Vom 5. bis zum vorläufig letzten Film Nummer 13 war er fest im Team integriert, welche die Filme schuf. Und wenn da vorgeschlagen werden sollte, einen weiteren Film zu drehen, dann mit Axel Strøbye, versichert er.

Das würde witzig sein, wenn sich das machen ließe. Ich habe das Drehbuch gelesen, für welches Henning Bahs verantwortlich war - ich finde es ist glänzend und sehr lustig. Vom dem ich mir wünschen würde, dass sich noch eine Version davon machen lassen würde - mit der gleichen Komik und Spaßigkeit. Das ist wirklich eines der wenigen Dinge, zu der ich wirklich wieder Lust hätte, es zu tun. Es war eine sehr ulkige Figur und ich war sehr ehrgeizig mit ihr damit, zumal ich sehr glücklich war, mit Erik Balling zu arbeiten.

Axel Strøbye hat selbst Regie geführt - u.a. mehrere Tivoli-Revuen und schätzt die Zusammenarbeit mit einem geschickten Regisseur.
Ein guter Regisseur kann einem einige "Codewörter" geben, was den Zugang zur Figur erleichtert. Und genau dies war es, was Balling meisterhaft beherrschte. Er ist ein sehr friedfertiger und begabter Mann, was auch charakteristisch für seine Produktionen war. Da herrschte Stille zwischen den Dreharbeiten bzw. Aufnahmen. Man sprach gedämpft. Da war kein Grinsen, Fluchen oder Scherzen. Da war Konzentration angesagt, um kreativ zu bleiben bzw. zu sein. Wenn ich selbst Regie geführt habe, habe ich es meistens als meine Aufgabe angesehen, mein Wissen über Schauspielerei und erleichtert das als Komödie spielend, zu vermitteln. Mein Wunsch war es mehr, die Schauspieler voranzubringen, als ihnen mein eigenes Ego anzudichten. Viele Regisseure haben die Angewohnheit, die Schauspieler mit etwas zu vergewaltigen, das im Grunde genommen nichts für sie (die Schauspieler) ist, sondern eher etwas ist, mit dem sie selbst (die Regisseure) auftrumpfen können.

Künstlerisches Niemandsland
Axel Strøbye hat die meisten Dinge innerhalb der Schauspielerei ausprobiert - sogar im Musicalgenre - und hat keine unerfüllten Bedürfnisse.
- Ich hatte nie Wunsch- oder Traumrollen gehabt - und die wenigen, die ich hatte, habe ich auf jeden Fall nie bekommen - und vielleicht ist es auch gut so. Ich habe Rollen nie nachgetrauert, die ich nicht bekommen habe. Ich mache klar Schiff, wenn ich mit etwas fertig bin.

Einzelne, denkwürdige Momente blitzen doch noch auf...

- Ich spielte einmal das Stück "Ein Puppenheim" (original norwegisch "Et dukkehjem", ein Drama des norwegischen Lyrikers und Dichters Henrik Ibsen, Anmerkung des Übersetzers) am Volkstheater und das war eine ziemlich schwierige Rolle. Da ich die ungefähr schon hundert Mal gespielt hatte, konnte ich fühlen, dass danach etwas Neues begann, absolut überwältigend, wo - und es ist sehr schwer zu erklären - man spüren konnte, dass man sowohl der Kreative selbst als auch ein Teil des Geschaffenen bzw. der geschaffenen Figur selbst wurde. Dann bekommt man so ein euphorisches Gefühl - eines nach dem anderen ab, dass oder weil es einem wirklich gelungen ist.

Da findet man wirklich eine Art künstlerisches Niemandsland, aber das gehört eher zu den seltenen Erlebnissen. Das zeigt sich vielleicht nur alle zehn Jahre, aber als Gegenleistung hält man gerne weitere zehn Jahre durch, um es wieder zu erlangen.
Aufmerksamen TV-Zuschauern ist Axel Strøbye vielleicht im DR-Weihnachtskalender "Der geheime Tunnel" aufgefallen, wo er einem schroffen Chef die Telefonstimme gab. Aber ansonsten müssen sich Strøbyes Fans bei einer Suche wohl auf die existierenden Filme einschwören, wenn sie ihn wieder sehen wollen. Für neue Aufgaben liegt im Moment nichts vor:

- Ich halte ein Sabbatjahr ab und tu das auch nächstes Jahr. Wenn da ein paar Dinge kommen, welche mich interessieren, dann tue ich sie. Aber wenn mich die Angebote nicht begeistern, dann sage ich Nein. Und im Augenblick kann ich etwas Interessantes nicht entdecken. Absolut die Lust verloren am Schauspielern hat Axel Strøbye noch nicht, unterstreicht er. Es ist genau dasselbe, wenn man Karten spielt. Es kommt darauf an, mit welcher Farbe man "eingeladen" wird.

Bildunterschriften:

Kleines Bild, links unten:
Axel Strøbye hat mit dem Königlichen Theater abgeschlossen. Es gibt kein Einvernehmen mehr. Das, was ich am Königlichen Theater verstanden habe, ist, dass es ein stolzer Kahn ist, der auf dem Meeresgrund liegt. Zum Frühjahr bekommt Axels Strøbyes Hund "Sidse" nun sein TV-Debüt, wenn Danmarks Radio Pouls Thomsons TV-Quiz "Zwischen Hund und Hund" sendet.

Bild 1 (im Filmstreifen, oben):
Kandidat der Psychologie (Cand. psyk) Erik Lund in "Die Kinder meiner Schwester". (Anmerkung des Übersetzers: Kandidat der Psychologie, abgekürzt "cand.psych." in Dänemark und "cand.psychol." in Norwegen, ist ein höherer Berufsabschluss, der derzeit in beiden Ländern im Bereich der klinischen Psychologie verliehen wird. In Umfang und Länge entspricht es einem Abschluss zwischen einem Master und einem Doktor-Abschluss in klinischer Psychologie.)

Bild 2:
Geschäftemacher Charles Gyldenkål (Karl Goldkohl) in "Die Familie Gyldenkål".

Bild 3:
Kriminalkommissar Jensen in "Die Olsenbande fliegt über die Planke".

Bild 4 (unten):
Rechtsanwalt Viggo Skjold-Hansen in "Matador".





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