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Start Presse Aalborg Stiftstidende, 1998-12-17 (Henning Bahs)
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::Aalborg Stiftstidende, 1998-12-17 (Henning Bahs)::
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Deutsche Übersetzung von Paul Wenzel:


(Mit freundlicher Erlaubnis durch Nordjyske Medier.)
Den (wirklich) allerletzten letzten Streich übernahm er selbst

Henning Bahs hat zusammen mit Erik Balling die Drehbücher für 13 Olsenbandenfilme geschrieben. Die 14. und letzte Geschichte hat Bahs allein geschrieben. Angst vor Rezensionen hat er niemals, nur vor den Erwartungen des Publikums.

Von Henrik Hermann

Wenn Henning Bahs zu Filmpremieren geht, würde es ihm im Traum nicht einfallen, einen Smoking zu tragen, das würde lächerlich wirken, meint er. Bahs hasst das Abgehobene und Einheitliche, aber er liebt es, sich darüber lustig zu machen. Und das tut er in dem neuen Olsenbandenfilm.

Nach 13 Filmen im Schatten des Meisters Erik Balling, hat Henning Bahs das Drehbuch zum Film “Der (wirklich) allerletzte Streich der Olsenbande” allein geschrieben. Und hier wird den Staatssekretären, Beamten und anderen Amtspersonen noch einmal so richtig der Kopf gewaschen. Aber es war nicht leicht, räumt Henning Bahs ein, in der roten Holzbaracke, die Nordisk Films Kantine darstellt.

“Es ist verdammt schwer lustig zu sein. Komödie ist mit am schwersten zu machen”, sagt Henning Bahs. Er hatte damals die Idee für die Olsenbande, aber Erik Balling bekam immer die Anerkennung dafür, wenn Dänemark sich über die Filme kaputt lachte.

Bahs fing 1952 bei Nordisk Film ganz unten an, als Requisitenassistent mit einem Monatslohn von 100 Kronen (ca. 13 Euro). Er war der Assistent des Assistenten, aber er wurde Requisiteur und blieb es 13 Jahre lang. Später wurde er Szenograf und machte Spezialeffekte.

Seine Zusammenarbeit mit Erik Balling ist legendär, seit dem ersten gemeinsamen Erfolg 1965 mit “Kaliber 7,65 - Diebesgrüße aus Kopenhagen”. Eine Zusammenarbeit durch die auch einer der beliebtesten dänischen Fernsehserien entstanden. Von “Oh, diese Mieter!” bis “Die Leute von Korsbæk” (Matador). Oder “Bryggeren” (Fernsehserie 1996-1997 über den Gründer der Carlsberg-Brauerei. Es existiert bisher keine deutsche Fassung. Anm. Übersetzer), wofür Bahs und Balling zusammen den gesamten Entwurf schrieben. Dafür trafen sie sich oft im Café Ordrupgaard. Bahs und Balling treffen sich auch heute noch einmal die Woche zu einem zweiten Frühstück.

Als Bahs sein 40. Jubiläum feierte, erhob sich Erik Balling und hielt eine Rede. Er beschrieb Bahs als seine Ehefrau an seiner Seite. “Wir waren oft zusammen. Wir wohnten immer im gleichen Hotel, wenn wir in Paris schrieben. Bis es geschlossen wurde”, sagt Henning Bahs. Hier konnten sie ungestört sein, während sie an den Coups der Olsenbande feilten.

“Damals riefen die Leute nicht so oft an, wie sie es heute tun. Es ist heutzutage egal, wo man sich gerade aufhält, die Leute rufen die ganze Zeit auf dem Handy an.” Bahs hat selbst ein Mobiltelefon, aber er benutzt es nur zum Anrufen. Er möchte nicht angerufen werden.

Dieses Mal musste Henning Bahs es allein schaffen und erschuf die Olsenbande auf seinem Computer in seinem kleinen Büro bei Nordisk Film. Die Geschichte war klar: Egon Olsen sollte nicht aus dem Gefängnis kommen, stattdessen aus einem psychiatrischen Krankenhaus, Kjeld sollte im Pflegeheim sein und Benny arbeitet schwarz in der Zentrale von Valby Taxi. Zwischendurch hat auch Balling als Berater für Bahs am Film mitgearbeitet. Die Rollen waren beinahe vertauscht.

“Wir haben diesen Film unter so einigen merkwürdigen Umständen gemacht. Es wurde völlig anders, als wir es uns gedacht hatten”, sagt Henning Bahs. Der Film über die leicht altersschwache Olsenbande, die sich zuletzt 1981 auf der Leinwand zeigte, wurde von Unglücken verfolgt. Während der Dreharbeiten verstarb erst Poul Bundgaard und dann der Regisseur Tom Hedegaard. Morten Arnfred sprang ein und führte die Regie zu Ende.

Am Tag nach Poul Bundgaards Tod, klingelte das Telefon zu Hause bei Bahs in Vallensbæk. “Lars von Trier war der erste, der anrief und helfen wollte. So ist er nun mal, das ist das Gute an ihm. Er hatte einige Ideen, wie wir mit dem Film weiterkommen können”, sagt Henning Bahs.

Die zwei sind nach Bahs’ Worten “recht gute Freunde”. Sie kennen sich u.a. von den Dreharbeiten von Lars von Triers “Europa”, wo Henning Bahs Szenograf war. Einer der Möglichkeiten war es, einen digitalen Klon von Poul Bundgaard anzufertigen. Diese Technik wurde zum Beispiel bei dem Karate-Helden Bruce Lee angewendet, dessen letzter Film erst nach dem Tod des Schauspielers fertiggestellt wurde.

“Es stört mich nicht Computergrafik zu verwenden. Das ist ein Teil der Lösung. Ansonsten hätte man diesen Olsenbandenfilm niemals fertigstellen können”, sagt Henning Bahs. Der Film enthält mehrere Beispiele für fortschrittliche Computer-Animation, wo Poul Bundgaard nach seinem Tod mitspielt. In anderen Szenen hat Tommy Kenter den Platz von Poul Bundgaard übernommen und Kurt Ravn hat seine Stimme dafür geliehen.

Als Poul Bundgaard starb, fehlten noch ein Viertel der Aufnahmen. “Poul Bundgaards Familie bat darum, dass wir weitermachen. Todesfälle passieren in allen Familien. The show must go on”, sagt Bahs, der keinen Zweifel daran hat, dass es ganz in Poul Bundgaards Sinn war den Film fertigzustellen. Nachdem beschlossen wurde weiterzumachen, schrieb Bahs das Manuskript ein paar Mal um.

“Es ging auch um das Finanzielle. Die Versicherungsgesellschaft bekam Schiss. Natürlich waren wir versichert. Aber es war eine sehr teure Versicherung mit hoher Selbstbeteiligung - auch weil die Schauspieler so alt sind”, sagt Henning Bahs, der selbst im März die 71 erreicht.

Die Schlussszene des Films, die eine Hazienda an der azurblauen Küste von Portugal darstellen soll, ist in Wirklichkeit ein Haus - in Gentofte (Vorort von Kopenhagen, Anm. Übersetzer). Der Hintergrund ist aus drei-vier verschiedenen Orten in Portugal und Dänemark zusammengesetzt. Echte Manipulation.

“Es hätte eine halbe Million Kronen (ca. 67.000 Euro) gekostet, wenn man das ganze Produktionsteam nach Portugal verlegt hätte. Das hier hat nicht viel gekostet”, sagt Henning Bahs. “Man sollte es mit der Technik nicht übertreiben, aber so einen Film wie Titanic könnte man ohne den Einsatz von Computergrafik gar nicht machen.”

Bahs hat keine Angst vor Rezensionen, aber er hat großen Respekt vor dem Publikum. “Vor einer Premiere bin ich nicht nervös. Das schlimmste waren diesmal die großen Erwartungen, die man von dem Filmen hatte. Die sind beinahe unmöglich erfüllbar”, sagt Henning Bahs. Aber er freut sich gleichzeitig darüber, dass mehr als 25.000 Dänen sich bereits im Voraus Tickets für den unwiderruflich letzten Film mit der Olsenbande gesichert haben.

“Aber es war schon immer so, dass ich während der Vorpremiere wie auf Kohlen sitze, während ich beobachte, ob die Zuschauer so reagieren, wie ich mir das vorgestellt habe. Ein Film ist erst fertig, nachdem er vor Publikum gezeigt wurde. Und erst wenn ein Film fertig ist, weißt du, wie man das ganze hätte machen sollen.

Das Leben hört deswegen nicht auf. Ich bin ja 1981 nicht ins Koma gefallen, als wir mit den ersten 13 Olsenbandenfilmen fertig waren. Ich habe die ganze Zeit etwas gemacht. Ich muss nicht mehr an die Olsenbande denken und so kann ich einfach an etwas ganz anderes denken. Und ich habe noch so einiges auf Lager”, schließt Henning Bahs.

In vier Jahren hat Henning Bahs sein 50. Jubiläum bei Nordisk Film. Und man muss ihn wohl raustragen: “Ich möchte so lange arbeiten, wie ich kann und ich habe wirklich viel gesehen, seit wir die Olsenbande 1981 gemacht haben. Jetzt möchte ich lieber schreiben. Das ist körperlich nicht so anstrengend”, sagt Henning Bahs.

Bildunterschrift:

“Ich habe die jetzt mehrere Male gesehen und nach und nach sieht man nur noch Fehler, die ich gern beseitigen würde. So ist es mit allen Filmen: erst wenn man einen Film gemacht hat, weiß man wie man ihn hätte machen müssen.” Foto: Simon Knudsen





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